Das erste Spiel war höchsterfreulich gewesen. Zum Start der internationalen Vereinswettbewerbe überraschte der FC Bayern München Basketball am 24. September in der EuroLeague mit einem Auswärtssieg bei der Millionentruppe von Hapoel Tel Aviv in Sofia. In der vergangenen Woche erlebten aber sowohl die Münchner als auch die deutschen Teilnehmer im EuroCup einen schmerzhaften Realitätscheck.
Zwar gelang den Ulmern am Mittwoch am ersten Spieltag ein Pflichtheimsieg gegen den bulgarischen Teilnehmer Botewgrad, aber das konnte den „schwarzen Dienstag“ nicht vergessen machen. Die Bayern mussten beim Mitfavoriten Fenerbahçe Istanbul eine deutliche Niederlage hinnehmen, und auch das Trio Chemnitz, Frankfurt und Rostock, das Deutschland neben Ulm im EuroCup repräsentiert, war auswärts chancenlos. Die Sachsen verloren in Bursa und die Skyliners in Venedig.
Bezeichnend ist, dass sie gegen ein türkisches und ein italienisches Team erfolglos blieben. Während die türkische Liga der BBL bereits in den letzten Jahren sportlich immer einen Schritt voraus war, ist die italienische im Begriff, die deutsche zu überholen. Dazu kommt die Rostocker Niederlage bei Hapoel Jerusalem, einem ambitionierten Klub mit dem ehemaligen Berliner Saša Obradović als Headcoach.
Weit von der europäischen Spitze entfernt
Diese Form finanziell gut ausgestatteter Einzelprojekte, die sich, wie im Falle von Jerusalem, auch ehemalige NBA-Spieler leisten können, findet man immer häufiger. Am Freitag unterlagen die Münchner mit Partizan Belgrad zum Heimauftakt dann auch noch unnötig einer Mannschaft, die sie eigentlich hätten besiegen müssen, um Play-in-Ansprüche anzumelden.
2011 hatte Jan Pommer, der damalige Geschäftsführer der BBL, das Ziel proklamiert, 2020 die beste nationale Liga Europas sein zu wollen. Diese Aussage war sicherlich stärker mit Blick auf die wirtschaftliche als auf die sportliche Entwicklung getroffen worden, aber beide Bereiche bedingen einander in nicht unerheblichem Maße.
Heute darf man konstatieren, dass die Liga, wenn auch nicht im erhofften Umfang, bei Zuschauern und Reichweite Wachstum erzielt hat, im sportlichen Bereich aber weit von der europäischen Spitze entfernt ist. Mit elf Klubs in den vier europäischen Wettbewerben liegt die Teilnehmerzahl, auch weil der EuroCup von 20 auf 32 Teams aufgestockt wurde, auf einem Rekordhoch, aber es ist mehr Masse als Klasse.
Die BBL stellt einen EuroLeague-Vertreter, vier Mannschaften im EuroCup und sechs Teams in den FIBA-Wettbewerben Champions League (Berlin, Bamberg, Bonn und Vechta) und Europe Cup (Würzburg und Trier), die am Dienstag beginnen werden. Die Spanier, deren Liga ACB immer noch als das Nonplusultra in Europa gilt, bringen zwölf Teams an den Start. Davon bestreiten allerdings vier die EuroLeague, wobei drei realistische Play-off-Chancen haben, die man den Bayern nicht zuschreiben kann.
Nicht genug Nachhaltigkeit und Konstanz
Die BBL hat in diesem Jahrzehnt mit dem Bonner Sieg in der Champions League (2023) und dem Chemnitzer Erfolg (2024) im Europe Cup immerhin zwei Titel errungen, aber nicht genug Nachhaltigkeit und Konstanz in der Spitze bewiesen. Die deutschen Klubs haben angesichts der hohen Lohnnebenkosten sicherlich Wettbewerbsnachteile, aber trotzdem bleibt die Grundsatzfrage: Wie generiert man mehr Geld, um europäisch wettbewerbsfähiger zu werden?
Genau in diesem Bereich verliert die Bundesliga immer mehr an Boden. Während die Münchner als Flaggschiff in immer größere Dimensionen vorstoßen, lebt der Großteil der Klubs von der Hand in den Mund. In den Ligen, zu denen sich die BBL in Konkurrenz sehen muss, läuft dies anders.
So veröffentlichte die italienische Lega Basket, die in den letzten 20 Jahren stagniert hatte, unlängst Zahlen, von denen man hierzulande nur träumen kann. Demnach verfügen acht Klubs über einen zweistelligen Millionenetat. Dazu zählen auch die beiden neuen Projekte in Rom, die mit Blick auf eine NBA Europe aus dem Boden gestampft wurden und eine Wildcard für die EuroLeague erhielten.
Mit dem Rechtsanwalt und Unternehmer Paul Matiasic (Maxima Roma) und dem ehemaligen NBA-Funktionär Donnie Nelson (Roma Basket), der unter anderem auch Luka Dončić als Geschäftspartner gewinnen konnte, gibt es dort Geschäftsmodelle, die in Deutschland nicht denkbar wären. Auch in der Türkei und in Griechenland liegen die Budgets deutlich höher als in der BBL. Aris und PAOK, die beiden Klubs aus Thessaloniki, die auch „nur“ im EuroCup antreten, haben massiv aufgerüstet. Natürlich schweben die Erzrivalen Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen mit den höchsten Budgets des Kontinents monetär in eigenen Sphären.
Aber AEK Athen und die Teams aus Thessaloniki brauchen sich mit ihren Möglichkeiten nicht zu verstecken. Dort werden Spieler aus der NBA und der EuroLeague verpflichtet. So nahm PAOK den ehemaligen Bayern-Trainer Andrea Trinchieri und Cedi Osman unter Vertrag. Der Türke spielte in der Vorsaison beim Finanzkrösus Panathinaikos und gilt als einer der besten Spieler in Europa.

Wenn auch nicht auf diesem absoluten Topniveau, so gelang es dem FC Bayern München, mit Marjon Beauchamp (Philadelphia 76ers) und Duane Washington Jr. (Partizan Belgrad) zwei große Namen an die Isar zu locken, aber die nationale Konkurrenz muss deutlich preiswerter einkaufen. Das sind dann häufig Akteure, die zuvor in der zweiten spanischen und italienischen Liga auf Korbjagd gingen oder aus kleineren Märkten wie Ungarn, Rumänien oder den Niederlanden rekrutiert werden.
Auch wenn die NBA knallhart ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgt und der deutsche Markt von großer Bedeutung ist, werden die Verantwortlichen auch die sportlichen Perspektiven bewerten. Und in diesem Bereich hat die BBL – unabhängig davon, ob, wie (mit der EuroLeague oder in Konkurrenz zu ihr) und wann ein europäisches NBA-Projekt gelauncht wird – großen Verbesserungsbedarf.
Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres in Deutschland.
