Der Batteriehersteller Varta muss zum Herbst seine Fabrik im bayrischen Nördlingen schließen. Offenbar hat sich der US-Technologiekonzern Apple entschieden, künftig nicht mehr bei Varta produzieren zu lassen. So sagte Vartas Unternehmenschef Michael Ostermann am Dienstag, ein Großkunde habe die Zusammenarbeit beendet, die Schließung sei daher unausweichlich. In dem Werk bei Nördlingen fertigte Varta bisher fast ausschließlich Knopfzellen für Kopfhörer von Apple.
350 Menschen verlieren wegen der Schließung ihren Arbeitsplatz. Der Vertrag mit Apple läuft noch bis Ende Oktober, danach solle das Werk abgewickelt werden, »ohne es in die Insolvenz zu schicken«, sagte Ostermann. Man bemühe sich nun um »sozialverträgliche Lösungen« und darum, einzelne Mitarbeitende an anderen Standorten zu übernehmen. Die Gespräche dazu stünden aber noch ganz am Anfang.
Werk ist zu hoch spezialisiert
Zwar habe man in den vergangenen Monaten neue Kunden gewinnen können. Damit lasse sich die Produktion in Nördlingen jedoch »nicht ansatzweise« auslasten. Die Kapazitäten am Standort in Ellwangen reichten aus, um die Nachfrage der neuen Kunden zu bedienen. In Ellwangen können rund acht Millionen Zellen im Jahr hergestellt werden.
Man habe zudem geprüft, ob das Werk auch anderweitig genutzt werden könne. Dies sei aufgrund des hohen Spezialisierungsgrads des Standorts jedoch »kurzfristig nicht möglich«, sagte Ostermann. Varta stellt in Nördlingen fast ausschließlich die wiederaufladbaren »CoinPower«-Knopfzellen her, welche bisher in den AirPods-Kopfhörern von Apple verbaut wurden.
Konzern schon länger in der Krise
Der US-Konzern will seine Batterien künftig offenbar von einem Lieferanten aus China beziehen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Varta-Insiderkreise berichtete, sei beim Wechsel des Anbieters der Preis entscheidend gewesen. Bei der Qualität sei das schwäbische Unternehmen auf Augenhöhe und besser gewesen. Der bayrische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach von einem »harten Schlag« für Schwaben.
Um Vartas Geschäfte steht es schon länger schlecht. 2024 meldete das Unternehmen ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes an. Damit sollte ein Insolvenzverfahren verhindert werden. In diesem Zuge wurden auch die Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Anfang April vergangenen Jahres hatte Varta mitgeteilt, die monatelange Neuaufstellung des Batterieherstellers sei abgeschlossen. Varta hatte 2024 rund 64,5 Millionen Euro Verlust gemacht.
