
Das traditionsreiche Kurhaushotel in Bad Salzhausen bekommt einen neuen Eigentümer. Der langjährige Besitzer Hans-Jürgen Eckhardt verkauft das Haus an Michael und Katharina Bethke. Eckhardt trennt sich aus Altersgründen von der Immobilie, wie er der F.A.Z. sagte. Er werde nächstes Jahr 80 Jahre alt, da sei es an der Zeit. Das Ehepaar Bethke übernimmt das Hotel zum 1. Juli. Die unsichere Zukunft der Therme war für sie kein Hindernis: „Wir glauben an die Entwicklung des Ortes.“
Die zukünftigen Eigentümer kommen aus der Region. Wo genau sie wohnen, mögen sie nicht sagen. Sie möchten ihre Privatsphäre wahren, wie der 39 Jahre alte Michael Bethke sagt. Trotzdem dürfte sie so mancher Café-Liebhaber aus Mittelhessen und der Wetterau kennen. Das Ehepaar betreibt seit dem vergangenen November das Café Herbarium auf dem Hofgut im Hungener Stadtteil Utphe. Michael Bethke kommt beruflich aus der Hotellerie, seine 37 Jahre alte Frau ist Kunsthistorikerin und Lehrerin. Er hat nach seiner Lehre zum Hotelfachmann in verschiedenen Hotelunternehmen gearbeitet, so für Accor und Mövenpick, wie er sagt. Auch eine Weiterbildung zum Restaurantmeister könne er vorweisen. Nach zwei Jahrzehnten in Kassel und zwei Jahren auf Martinique haben sich die Bethkes wieder in ihrer Heimat niedergelassen.
Erfahrung als Geschäftsführer von einem Hotel
Ein Hotel zu führen, ist Michael Bethke schon vertraut. Nach seinen Worten entschieden sich seine Frau und er schon vor vier Jahren für die Selbständigkeit in der Hotelbranche. „Wir haben einen Businessplan geschrieben und ein passendes Haus gesucht“, berichtet er. Fündig geworden sind sie schließlich unweit von Utphe. Eckhardt hatte das Hotel privat angeboten und auch Offerten aus dem Ausland erhalten, bevor er sich für die Bethkes entschied. Die zukünftigen Eigentümer sehen die Übernahme als eine Art Generationswechsel an. Die 15 Beschäftigten übernehmen sie ebenfalls.
Mit ihren Ideen wollen sie nach eigenem Bekunden an die Geschichte des Hauses anknüpfen. Das 1826 vom großherzoglichen Baumeister Georg Moller im klassizistischen Stil erbaute Hotel diente einst zum einen als Anlaufpunkt für betuchte Besucher zum Sehen und Gesehen werden, zum anderen aber der Gesundheit der Gäste. Schließlich sprudeln nur wenige Fußminuten vom Hotel entfernt mehrere Heilquellen aus dem Boden des weitläufigen Kurparks mit seiner zentralen Trinkkuranlage. Die Heilwässer sind nach wie vor verfügbar und werden von Kurgästen und Besuchern auch getrunken. Der Gießener Chemiker Justus von Liebig untersuchte ein Jahr vor dem Bau des Hotels im Auftrag der Regierung die Solequellen und bestätigte deren hervorragende heilsame Wirkung.
Hotel will Trends Longevity und Biohacking für sich nutzen
Die Bethkes möchten sich zeitgenössische Gesundheitstrends wie Longevity (Langlebigkeit) und Biohacking, einer Kombination aus Biologie, Verhaltensänderungen und modernster Technologie, zunutze machen. Unternehmen achteten vermehrt auf die mentale und körperliche Gesundheit von Beschäftigten, und viele Privatleute kümmerten sich bewusst darum, in jeder Hinsicht fit und auf der Höhe zu bleiben. Für die Gesundheitsangebote wollen sich die Bethkes ausgewiesene Partner suchen.
Auch die Speisekarte möchte sie nach seinen Angaben auf das neue Konzept ausrichten und damit schon bald beginnen. Gleiches gilt für die ersten Schritte zum Ziel, aus dem Hotel wieder ein Vier-Sterne-Haus zu machen. Aufbauen können sie auf dem Ruf, den sich das Hotel als Tagungsort erarbeitet hat. Es verfügt über vier mittelgroße Tagungsräume und einen 400 Menschen passenden Kursaal. Wenn das Konzept stimmig ist, zieht das Hotel auch ohne Therme allein ausreichend Gäste an, wie er meint. Und das Traditionshaus stehe gut da.
Unter Verweis auf Gespräche mit Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU) zeigt sich Michael Bethke zuversichtlich, dass Bad Salzhausen auch in Zukunft wieder eine Therme haben wird. Derzeit ruht die Baustelle nach dem Abriss der alten Liebig-Therme. Klar ist: Anders als zuvor angestrebt, wird der Bau bis zum Beginn der Landesgartenschau Oberhessen im April 2027 sicher nicht fertig, und eine Baustelle will die Trägergesellschaft der Großveranstaltung vermeiden. Bad Salzhausen ist außer Büdingen und Gedern einer der Hauptorte der von elf Kommunen getragenen Schau. Michael Bethke erachtet die Landesgartenschau als sehr gute Gelegenheit, das neu ausgerichtete Kurhaushotel zu präsentieren.
Der scheidende Hotelbesitzer arbeitet derweil am Ort an einem anderen Vorhaben. Er hat nach seinen Worten eine weitere Immobilie gekauft und plant etwas, was es in Bad Salzhausen noch nicht gebe. Einzelheiten will er nicht nennen. Dieses Mal geht es aber nicht um ein Hotel, sondern eine Wohnanlage.
