
Der Autozulieferer AVO Carbon Germany im Frankfurter Stadtteil Kalbach steckt in einer existenzgefährdenden Krise. Nach einem Insolvenzantrag im Juli sei ein Investor gesucht worden, es hätten sich aber keine Übernahme-Interessenten gefunden, sagte Insolvenzverwalter Joachim Kühne aus der Kanzlei CMS Hasche Sigle am Freitag auf Anfrage. Zuerst hatte die „Frankfurter Neue Presse“ berichtet, dass dem Betrieb 2027 die Schließung droht.
Kühne sagte, da die Kunden von AVO Carbon zum Teil auf Zulieferungen des Unternehmens angewiesen seien, werde die Fertigung vorerst in reduziertem Umfang fortgesetzt. Etwa die Hälfte der aktuell noch knapp 100 Mitarbeiter bleibe deshalb bis März 2027 im Unternehmen beschäftigt. Wie es danach weitergehe, sei noch offen. AVO Carbon Germany fertigt Kohlebürsten für elektrische Motoren, die hauptsächlich in der Autoindustrie eingesetzt werden.
Das Unternehmen gehört zur international tätigen AVO Carbon Group, die Muttergesellschaft sitzt in Luxemburg. Laut dem jüngsten im Unternehmensregister verfügbaren Jahresabschluss für AVO Carbon Germany war die deutsche Tochtergesellschaft schon 2022 auf eine Finanzierung durch die Luxemburger Holding angewiesen. Das Frankfurter Unternehmen erwirtschaftete 2022 einen Fehlbetrag von 3,7 Millionen Euro. Im Jahresabschlussbericht wurde dies auf Produktionsprobleme vieler Autohersteller durch Lieferengpässe bei Mikrochips zurückgeführt.
Mittlerweile wird in der Autobranche davon ausgegangen, dass die Produktionszahlen jedenfalls in Europa auch langfristig nicht auf das Niveau der Vor-Corona-Jahre zurückkehren werden. Volkswagen, Mercedes, BMW und Opel bauen Stellen ab, ebenso große Zulieferer wie Bosch, ZF und Aumovio.
Insolvenzverwalter Kühne wies auf Fragen zu den Ursachen der Probleme bei AVO Carbon auf Wettbewerbsnachteile der deutschen Industrie durch die im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten hin, aber auch auf „strukturelle Schwierigkeiten“ im Unternehmen.
