Nun steht den Rheingauer Klosterbesuchern endlich offen, was Sean Connery als Franziskanermönch William von Baskerville verwehrt blieb: das Durchschreiten der „verbotenen Tür“. Anders als im Hollywoodfilm „Der Name der Rose“ führt die schmale Tür im Mönchsrefektorium von Kloster Eberbach allerdings nicht in eine labyrinthische Bibliothek mit tabuisierten Büchern wie dem „Zweiten Buch der Poetik“ des Aristoteles, sondern in den imposanten Dachstuhl über dem ehemaligen Schlafsaal der Mönche. Dort lässt sich die eindrucksvolle Architektur bestaunen – ebenso ein Pendeluhrwerk aus dem Jahr 1660.
Die Öffnung der „verbotenen Tür“ für Klosterbesucher ist Teil der Rückbesinnung auf ein cineastisches Meisterwerk: Jean-Jacques Annauds Verfilmung von Umberto Ecos 1980 erschienenem Debütroman „Der Name der Rose“, produziert von Bernd Eichinger, mit Sean Connery als mittelalterlichem Meisterdetektiv. Bis auf die Szenen in der schließlich in einem verheerenden Feuer untergehenden Bibliothek wurden alle Innenaufnahmen der im Jahr 1327 spielenden Kriminalgeschichte im Kloster Eberbach gedreht. Mit seiner schlichten, aber monumentalen romanischen und frühgotischen Architektur bot das 1136 gegründete Ensemble die perfekte Filmkulisse.

Sean Connery brauchte keinen Fahrer
Im Winter 1985 rückte die Filmcrew an. Der Kiedricher Countertenor Andreas Scholl erinnert sich gut daran, wie er als 18 Jahre alter Chorsänger kurz vor dem Abitur mit behördlicher Genehmigung eine Woche lang die Schule schwänzen durfte, um als Statist in Mönchskutte aufzutreten. Und nicht nur das: In einer Gottesdienstszene in der Kirche sang er Sean Connery den gregorianischen Choral ins Ohr, damit dessen Lippenbewegungen im Film stimmten. Für Jürgen Bruhn waren die Drehwochen ebenfalls „die aufregendste Zeit meines Lebens“. Die langen Haare ließ er sich damals aber nicht für Statistenauftritte schneiden. Er verdingte sich lieber als ortskundiger und allzeit verfügbarer Fahrer für die gesamte Filmcrew – „bis auf Herrn Connery. Der hatte seinen privaten Chauffeur dabei.“

Der Aufwand lohnte sich. Bei Produktionskosten von rund 20 Millionen Dollar soll der Film 77 Millionen Dollar eingespielt haben. In Deutschland sahen knapp sechs Millionen Kinobesucher den Film. Für das Kloster hat er bis heute große Bedeutung. Wenn er beim Kinosommer in der mittelalterlichen Anlage gezeigt wird, sind die Vorstellungen schnell ausverkauft. Und unter den Themenführungen im Kloster ist jene zu „Der Name der Rose“ besonders rasch ausgebucht. Der „alte Schinken“, so scherzt Klosterchef Julius Wagner, habe noch immer viele Freunde – auch wenn die Gästeführer beobachten, dass die Zahl jüngerer Klosterbesucher zunimmt, die mit dem Roman, seiner Verfilmung und Sean Connery nicht mehr viel anzufangen wissen.

40 Jahre nach der Premiere zeigt die Stiftung eine Ausstellung mit Originalrequisiten wie den Schreibpulten der Mönche. Im Mittelpunkt stehen aber großformatige Fotografien von Filmszenen, vom Set und private Schnappschüsse, die Sean Connery bei einer Schneeballschlacht im Kloster und in Gesprächen mit dem Regisseur zeigen. Sie sind dem Journalisten und Fotografen Hans Baumann zu verdanken, der die Dreharbeiten mit seiner Kamera begleitet hat.
Weil Eberbach vor allem auch ein Weinkloster ist, haben die Hessischen Staatsweingüter einen Jubiläumswein abgefüllt. Das Sonderetikett hat der Rheingauer Künstler Michael Apitz gestaltet. In der Flasche ist ein Cabernet Sauvignon aus dem Jahrgang 2023, der in der Lage Rüdesheimer Berg Rottland geerntet wurde. Ein Wein, der mit seiner Würze und seinen Noten von Tabak, Kaffee, Lakritz und dunklen Beeren womöglich auch Sean Connery geschmeckt hätte. Die Reben der im Rheingau exotischen Rebsorte sind allerdings erst vor zehn Jahren gepflanzt worden.
