Dieser Artikel stammt aus unserem Ressort X, Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 17/2026.
Januar, ein Samstag, kurz vor 13 Uhr. Anzal Kareem läuft durch die Wohnung, schaut immer wieder zur Tür. Sein Vermieter will die Miete einsammeln, in der Nacht zuvor stand er plötzlich in der Wohnung in Berlin-Reinickendorf, wer nicht zahle, fliege raus, hatte er gedroht. Jetzt hat er sich per WhatsApp erneut angekündigt: »I will come to collect the rent. Everyone have it ready by then.«
Es klingelt. Ein Mann Anfang 20, glänzende Pufferjacke, dünner Schnauzer, gegelte schwarze Locken. Er geht durch den Flur, setzt sich breitbeinig auf einen Stuhl, lässt die Mitbewohner nacheinander eintreten. Der Vermieter fängt an zu telefonieren. »Ich habe das Geld von zwei Leuten«, sagt er auf Arabisch, ein Dritter hole gerade seinen Anteil. »Er wird zahlen«, versichert er der Person am anderen Ende der Leitung. 20 Minuten später verlässt er mit rund 2.000 Euro die Wohnung. Von fünf der sechs Inder, die hier auf knapp 60 Quadratmetern leben, hat er die Miete eingetrieben, auch die 390 Euro von Anzal Kareem.
