
Leerstand bei gleichzeitigem Wohnungsmangel hat Bauministerin Verena Hubertz (SPD) als „No-Go“ bezeichnet. Recht hat sie: Dass mehr als zwölf Millionen Quadratmeter Gewerbefläche ungenutzt sind, während nach Einschätzung des Pestel-Instituts bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen, ist nicht einzusehen. Zumal sich der Homeoffice-Trend seit der Pandemie nicht mehr zurückdrehen lässt. Ob ihr Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ schnell zündet, bleibt dennoch fraglich.
Schon ihre Vorgängerin Klara Geywitz (SPD) initiierte vor zwei Jahren das Programm, das mehr verwaiste Büros in Wohnungen umwandeln soll. Daran, dass 30.000 Euro pro Wohnung als Förderung ausreichen, haben Immobilienfachleute aber angesichts des enormen Kostenaufwands ihre Zweifel. Nicht nur sind Baumaterialien teuer. Auch müssen hohe energetische Auflagen erfüllt werden.
Für Bürokomplexe, die in jüngster Zeit gebaut wurden, mag eine Heizung, die größtenteils mit erneuerbarer Energie betrieben wird, noch leicht zu erfüllen sein. Leer stehende Altgebäude hingegen, die noch aus den 1980er oder 1990er Jahren stammen, wie zum Beispiel alte Kaufhäuser von Galeria, dürften kaum zum Zuge kommen. Generell eignen sich für eine Umwandlung nur Gebäude, die über ausreichend Fenster, Treppenhäuser und eine kluge Raumaufteilung verfügen. Ein anderes heikles Thema sind Wasser- und Abwasserleitungen, die oft neu verlegt werden müssen.
So charmant die Idee der Bauministerin klingt, so komplex ist die Umsetzung. Um den Wohnungsnotstand zu lösen, wird man um den Neubau von Wohnungen nicht herumkommen.
