
Völlig losgelöst von der Erde? Nun, der amerikanische Sänger Curtis Harding ist nicht Major Tom, sondern Captain Curt, wie er sich auf seinem jüngsten Album „Departures & Arrivals: The Adventures Of Captain Curt“ nennt. Und er will auch nicht wie weiland Captain Kirk auf der Enterprise unendliche Weiten erkunden, sondern eher das Zwischenmenschliche, was bisweilen aber auch eine Reise voller Aufs und Abs sein kann.
Sollte Harding aber eine Weltraumanmutung wichtig sein, dürfte sein Auftritt im gut besuchten Zoom in Frankfurt ihn mehr als zufriedengestellt haben, bietet der große Saal des Clubs mit seinem immer noch futuristisch anmutenden Interieur doch einen passenden visuellen Reiz, der nicht zuletzt auch eine Strömung in Hardings Musik betont. Der Sänger und Gitarrist wird seit seinem 2014 erschienenen Debüt „Soul Power“ der Retro-Soul-Fraktion zugeordnet, was insofern richtig ist, als Harding mit seinem Gesangsstil, der zwischen lässigem Tenor und emotionalerem Falsett variiert, klassischen Vorbildern wie Marvin Gaye oder Curtis Mayfield folgt, bei den Arrangements aber eher auf Psychedelia und Rock sowie mittlerweile auf sehr markante Basslinien setzt. Sly Stone klingt da ebenso an wie auch heutige Produktionen etwa der Black Pumas oder von Michael Kiwanuka, bei denen Streicher und Keyboards bei Bedarf zum guten Ton gehören.
Eher als Newtro denn als Retro mag man diese Herangehensweise bezeichnen, die Soul frisch und zeitgemäß hält und eben nicht nur nostalgisch als große Musik der Vergangenheit feiert. Diesen Eindruck verstärkt im Zoom ein glänzend aufgelegter Curtis Harding, der sich zwar wie stets hinter seiner schwarzen Sonnenbrille verbirgt, die Scheu und Wortkargheit früherer Konzerte aber abgelegt hat.
Zu Scherzen über die Hitze, über Frankfurt, über die Publikumsreaktionen und auch über sich selbst aufgelegt, führt er nonchalant durch ein gut hundertminütiges Programm, das in der ersten Hälfte von den Songs seines jüngsten Albums bestimmt ist, die zumindest thematisch ja auch zusammengehören, ohne dass Harding aber streng an der eigentlichen Titelabfolge festhalten würde. Statt mit „There She Goes“ beginnt der Abend mit dem coolen „Out In the Black“, das gleich auch die Güte von Hardings vierköpfiger Liveband offenbart, die die mit Studiomusikern eingespielten Kompositionen so straff und organisch interpretiert, als biete sie sie schon seit Jahr und Tag dar.
Besonders der Leadgitarrist, mit dem Harding auch das eine oder andere gedoppelte Solo bietet, und die regelrecht muskulös aufspielende Bassistin sorgen immer wieder für begeisternde instrumentale Momente, die nicht zuletzt auch die soul-rockigen älteren Stücke von Hardings superbem zweitem Album „Face Your Fear“ geradewegs abheben lassen. Und das ganz ohne Raketenantrieb oder sonstige raumergreifende Techniken, sondern einfach mit großartiger Musik.
