In Prag formiert sich Widerstand gegen ein geplantes Konzert des Rappers Kanye West. Es sei nicht hinnehmbar, dass ein Sympathisant des Nationalsozialismus in einem Land auftritt, das die Gräuel des Holocaust durchlebt habe und in dem heute noch NS-Überlebende leben, schrieben der tschechische Verband Jüdischer Gemeinden und die Jüdische Prager Gemeinde laut Medienberichten in einem Protestbrief.
West habe in der Vergangenheit wiederholt seine Bewunderung für Adolf Hitler zum Ausdruck gebracht, sich selbst als Nazi bezeichnet und antisemitische Äußerungen verbreitet, hieß es in dem Schreiben. Dass er im Juli in der Tschechischen Republik eine öffentliche Plattform erhalten könnte, erfülle die Vertreter des Judentums mit Sorge. Sie appellierten daher an die zuständigen Behörden, nicht zuzulassen, dass im öffentlichen Raum zu »rassistischem oder religiösem Hass« aufgerufen werde.
Konzerte in London und Polen abgesagt
Der inzwischen unter dem Künstlernamen Ye auftretende West hatte zuletzt seine antisemitischen Äußerungen mit einer bipolaren Störung begründet und behauptet, er sei weder Nazi noch Antisemit.
Seine in London und Polen geplanten Konzerte wurden abgesagt, nachdem die britische Regierung dem US-Rapper die Einreise untersagte und der polnische Stadionbetreiber ebenfalls absagte. Nach Widerstand der städtischen Behörden und der französischen Regierung sagte wiederum West ein für den 11. Juni geplantes Konzert in Marseille ab.
In der niederländischen Stadt Arnhem lehnten die Behörden zunächst Konzert-Verbote für den 6. und 8. Juni ab. Die Begründung: Für ein Verbot müsse eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder der nationalen Sicherheit gegeben sein. Laut einem Bericht der Rheinischen Post will eine Mehrheit des niederländischen Parlaments die Konzerte aber verhindern und damit dem Beispiel Großbritanniens folgen.
