
Die Stadt Frankfurt erfüllt im neuen Schuljahr den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Grundschülern, der zunächst nur für Erstklässler gilt. Das machte Evelin Spyra, die Leiterin des für die Stadt zuständigen Staatlichen Schulamts, am Freitag in einem Pressegespräch deutlich. Die Stadt habe schon frühzeitig damit begonnen, das Angebot an Ganztagsplätzen „mit Hochdruck“ auszubauen. „Frankfurt hat sich sehr stark engagiert, damit der Rechtsanspruch erfüllt werden kann“, lobte die Amtsleiterin.
Nach den Sommerferien werden 6350 Schulanfänger in Hessens größter Stadt eingeschult. Ein Drittel von ihnen besucht Vorlaufkurse, um die Sprachkenntnisse zu verbessern. Insgesamt steigt die Schülerzahl in Frankfurt auf fast 111.500 Schülerinnen und Schüler an, was einem Zuwachs um rund 1900 Schüler entspricht. Etwa 75.500 von ihnen besuchen öffentliche allgemeinbildende Schulen, hinzu kommen 26.000 Schüler an Berufsschulen. 8300 Mädchen und Jungen besuchen Privatschulen, 1650 Schüler gehen auf berufliche Schulen in freier Trägerschaft.
Besonders deutlich wird der Zuwachs an den Gymnasien. Dort werden im Vergleich zum vorherigen Schuljahr rund 1700 Schüler mehr unterrichtet. An den Grundschulen beträgt der Zuwachs nur 148 Schüler. Das könnte darauf hindeuten, dass die geburtenstarken Jahrgänge inzwischen an den weiterführenden Schulen angelangt sind. „Wir hoffen auf stabile Schülerzahlen“, sagte die Amtsleiterin. Um fast ein Viertel gesunken ist die Schülerzahl in Intensivklassen, in denen Neuankömmlinge Deutsch lernen. Die Zahl der Lehrer ist leicht gestiegen, vor allem an den Grundschulen.
Schulamt sucht ganzjährig nach Schulplätzen
In Frankfurt wachsen die Schülerzahlen seit Jahren. Die Stadt plant darum bis zum Jahr 2029 weitere 25 Schulen. Weil der Baufortschritt aber nicht mit der Entwicklung der Schülerzahlen Schritt hält, müssen bestehende Schulen ausgebaut werden, um mehr Schüler aufnehmen zu können. „Wir suchen das ganze Jahr über nach Schulplätzen. Es endet nie“, sagte Spyra.
Im neuen Schulentwicklungsplan für Frankfurt ist auch der Bau einer neuen Förderschule mit dem sogenannten Schwerpunkt geistige Entwicklung vorgesehen. Um kurzfristig Ausgleich zu schaffen, soll zunächst allerdings eine fünf Klassen umfassende Dependance einer bestehenden Förderschule in Fechenheim eingerichtet werden. Sie werde nach den Herbstferien den Betrieb aufnehmen, sagte Spyra.
Die Amtsleiterin ging auch auf die Verteilung der Schulplätze an den weiterführenden Schulen ein. Dabei konnten wiederum nicht alle Wünsche erfüllt werden. Wenn die Nachfrage das Angebot an Schulplätzen übersteigt, entscheidet an den betroffenen Schulen das Los. 535 von 6657 Viertklässlern, die in diesem Jahr vor dem Übergang in die fünfte Klasse stehen, kamen an ihrer Wunschschule nicht zum Zug und wurden einer anderen Schule zugewiesen. Das entspricht einer Quote von 7,5 Prozent und liegt auf dem Niveau der Vorjahre.
Im Staatlichen Schulamt sind deshalb 126 Widersprüche eingegangen, die in 13 Fällen in Gerichtsverfahren mündeten. Noch sind nicht alle dieser Verfahren beendet. „Unsere Juristen arbeiten unter Hochdruck“, sagte Spyra. Bisher habe das Amt fünf Verfahren gewonnen. In den vergangenen Jahren konnte die Behörde alle Verfahren für sich entscheiden. „Das Losverfahren ist rechtlich anerkannt“, hob Spyra hervor.
