
Durch einen mutmaßlichen Anschlag in Monaco ist am späten Montagabend eine Familie schwer verletzt worden. Französischen Medien zufolge soll es sich dabei um den ukrainischen Geschäftsmann Wadim Jermolajiw, seine Ehefrau sowie deren jüngstes Kind, einen 13 Jahre alten Sohn handeln. Die Eltern seien lebensgefährlich, der Sohn hingegen leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Sie seien ebenso wie Passanten, die einen Schock erlitten hätten, in Krankenhäuser eingeliefert worden.
Gegen 21 Uhr soll es vor dem Eingang eines Wohnhauses in Monaco nahe der Grenze zu Frankreich eine schwere Explosion gegeben haben. Auf Bildern, die mutmaßlich den Tatort zeigen, sind eine zerstörte Haustür, verbogene Geländer sowie eine zertrümmerte, blutverschmierte Treppe zu sehen. Ein Handyvideo, das ebenfalls vom Tatort stammen soll, zeigt ein größeres Feuer in der Straße.
Der monegassische Regierungschef Christoph Mirmand sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass der Vorfall „wahrscheinlich ein Anschlag“ gewesen sei. Ihm zufolge sei das der erste derartige Vorfall in der Geschichte des Fürstentums überhaupt. Er bestätigte, dass zwei Erwachsene und ein Kind bei der Explosion verletzt wurden, gab aber die Identität der Opfer nicht bekannt.
Kooperierte Jermolajiw mit Russland?
Der monegassische Generalstaatsanwalt teilte am Dienstag mit, dass Zeugen am Tatort eine Person gesehen hätten, die eine Tasche oder ein Paket am Eingang des Gebäudes abgelegt habe und dann geflohen sei. Der Sprengsatz sei mit Bolzen und Metallsplittern gefüllt gewesen. Auf in sozialen Netzwerken veröffentlichten Handyfotos ist ein untersetzter Mann in heller Hose, schwarzer Jacke und dunklem Anglerhut zu sehen, der angeblich vom Tatort flieht. Die Polizei in Monaco leitete eine Großfahndung nach dem Täter ein, die am Dienstag fortgesetzt wurde. Es seien 40 Gendarmen und zwei Hubschrauber im Einsatz, teilten die Behörden mit.
Wadim Jermolajiw ist ein ukrainischer Unternehmer aus der Industriestadt Dnipro. Der 58 Jahre alte Mann zählt zu den wohlhabendsten Ukrainern. Als Immobilienentwickler prägte er nach der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 das Zentrum Dnipros, wo er das erste große Einkaufszentrum eröffnete und sich bald darauf mit ähnlichen Projekten einen Namen machte, darunter der Most-City, dem größten Handelszentrum der Ukraine. Bis heute führt er einen Unternehmensverbund aus Immobilienentwicklung, Agrarwirtschaft, Medizin und Baustoffen. 2019 gab er die ukrainische Staatsbürgerschaft ab und erhielt einen zyprischen Pass.
2023 verhängte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Sanktionen gegen Jermolajiw, weil dieser auch nach der russischen Besatzung der Halbinsel Krim 2014 dort weiter Geschäfte gemacht und mit den Besatzern kooperiert haben soll. Seine Vermögenswerte seien eingefroren, zudem seien ihm alle Finanzgeschäfte in der Ukraine für zehn Jahre verboten worden, berichtet das Portal „Kyiv Independent“. Auf der Krim ließ Jermolajiw alkoholische Getränke produzieren und verkaufen.
Monaco und die französische Riviera wurden nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 zu einem Refugium reicher ukrainischer Familien. Sie werden in der Ukraine spöttisch als „Monaco-Bataillon“ bezeichnet, da sie fernab ihres Landes, das sich gegen Russland verteidigt, ein luxuriöses Leben führen. Das Portal „Ukrainska Prawda“ spürte 2022 knapp einhundert ukrainische Oligarchen, Politiker und Geschäftsleute auf, die vor dem Krieg an die Côte d’Azur geflohen waren, darunter auch Wadim Jermolajiw. Viele hatten an ihren Autos noch ukrainische Nummernschilder.
