
Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, will beim staatlich geförderten Altersvorsorgedepot den Neobrokern nicht kampflos das Feld überlassen. Das Standarddepot soll nur jährliche Effektivkosten von 0,1 Prozent verursachen, teilte die Deka am Mittwoch in Frankfurt mit. Damit liegen die Sparkassen deutlich unter dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Kostendeckel von einem Prozent und auch unter den Angeboten mancher Neobroker.
„Wir stehen vor einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, breiten Bevölkerungsschichten eine verlässliche Altersvorsorge zu ermöglichen. Das neue Altersvorsorgedepot ist dafür die Basis“, sagte Deka-Vertriebschef Dirk Peters während der Vorstellung der Konditionen. Das neue Altersvorsorgedepot wird staatlich gefördert, und zwar mit bis zu 540 Euro im Jahr je Sparer plus 300 Euro je Kind.
Insgesamt können Kunden der Sparkassen im Jahr 2027 zwischen vier geförderten Altersvorsorgedepotmodellen wählen: Das Standarddepot legt in passiv gemanagte ETFs der Deka an. Dabei wird es sich um einen global investierenden Aktienfonds sowie einen europäischen Rentenfonds handeln. In der klassischen Variante wird das Geld zunächst vollständig in den Aktien-ETF investiert. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn wird der Anteil dann auf 50 Prozent reduziert und in europäische Unternehmensanleihen umgeschichtet, zwei Jahre vor Rentenbeginn wird der Aktienanteil um weitere 20 Prozent reduziert.
Der Kunde kann den Aktienanteil selbst bestimmen
Ebenfalls zu Effektivkosten von jährlich 0,1 Prozent, die vom monatlichen Anlagebetrag abgezogen werden, hat der Kunde aber auch die Möglichkeit, den Aktienanteil während der gesamten Ansparzeit kostenlos und in Eigenregie in der Sparkassen-App anzupassen, erläuterte Peters.
Zudem bietet Deka aber auch aktiv gemanagte Altersvorsorgedepots an. In jungen Jahren erfolgt die Geldanlage hier vollständig in Aktien und wird bis zur Rente sukzessive in Renten- und zuletzt auch in einen Geldmarktfonds umgeschichtet. Auch hier gibt es zwei Varianten: Das chancenorientierte Modell reduziert den Aktienanteil deutlich später vor Rentenbeginn als das balanceorientierte Modell. Die effektiven Kosten liegen höher als im ETF-Angebot: je nach Anlagezeitraum zwischen einem und 1,5 Prozent im Jahr. Depotkosten und ähnliche Gebühren fallen aber ebenso wenig wie beim Standardmodell an, versichert Deka.
Die Produkte stehen auch Personen offen, die noch keine Sparkassenkunden sind, sondern ihr Girokonto bei einem anderen Institut führen, hieß es. Einzige Voraussetzung: der persönliche Besuch in einer Sparkassenfiliale. Ein in den meisten Fällen kostenpflichtiges Girokonto bei einer Sparkasse ist nicht Voraussetzung. Ein Onlineabschluss des Deka-Altersvorsorgedepots ist nur für bestehende Sparkassenkunden möglich.
Harter Wettbewerb um niedrige Gebühren
Deka ist nicht der einzige Anbieter von Altersvorsorgeprodukten aus dem Sparkassensektor. Auch die Bausparkasse LBS und die Sparkassen-Versicherung werden Angebote unterbreiten. Eine Kannibalisierung erwartet der Deka-Vertriebsvorstand nicht: 80 Prozent der Deutschen sind nicht am Kapitalmarkt investiert, es gehe darum, sie zu erreichen, sagte Peters. In der Ausgestaltung des passiven ETF-Fonds werde Deka sich am MSCI World orientieren, dabei aber nur 400 Einzeltitel berücksichtigen. Das Angebot des Sparkassenwertpapierhauses bezeichnete er als „sehr wettbewerbsfähig“.
Als erster Anbieter hatte der Neobroker Scalable Capital sich im August vorgewagt und ein Angebot mit 0,15 Prozent Kosten im Jahr vorgelegt. Im ersten Jahr soll diese Gebühr nicht erhoben werden. Anfang der Woche hatte mit Smartbroker ein weiterer digitaler Anbieter für die ersten drei Jahre ein gebührenfreies Standarddepot in Aussicht gestellt.
Dass der Kostenwettbewerb hart wird, damit möglichst viele kostenbewusste Anleger zum Beginn der Altersvorsorgedepots 2027 gewonnen werden können, war abzusehen. Dass Deka in den Sparkassenfilialen mit einem sehr günstigen ETF-basierten Angebot früh in diesen Wettbewerb einsteigt, heizt die Konkurrenz noch einmal deutlich an. Die große Reichweite der Sparkassen mit 36 Millionen eigenen Kunden ist von Vorteil. Wie aktiv das günstige ETF-Depot verglichen mit der teureren Fondsvariante im Vertrieb angeboten wird, ist noch unklar. Trade Republic, die größte Neobank, hat ihr Konzept für Altersvorsorgedepots noch nicht veröffentlicht und ließ bisher nur wissen, das attraktivste, effizienteste und günstigste Angebot machen zu wollen.
