Buchmesse ist wie Weihnachten, die kommt für meine Auftraggeber immer extrem überraschend. Rowohlt betreue ich seit 25 Jahren. Beim Literaturhaus bin ich gelandet, weil ich den Verleger einer großen Tageszeitung mal nicht reingelassen habe. Er stand nicht auf der Liste. Hinter ihm stand Joachim Unseld, der es gut fand, dass ich nicht weich wurde. Am nächsten Tag kam ein Anruf aus dem Literaturhaus, man könne so jemanden dort auch brauchen.

Meine Veranstaltungen sind alle abends. Abends wächst die Überzeugung, besonders wichtig zu sein. Man hört dann sehr oft „Ich kenne doch…“ oder „Sie wissen doch, wer ich bin.“ Mich kann man mit Namen nicht beeindrucken.
Ich weiß, wer mit wem auf welche Party kommt und mit wem wieder geht. Solche Dinge merke ich mir einfach. Glücklicherweise bin ich extrem verschwiegen.
Vor 15 Jahren hat sich mal eine junger Literat, einer dieser jungen Wilden, auf der Rowohltparty furchtbar betrunken. Als Tessa Martin von Rowohlt ihm mitgeteilt hat, dass er laut und anstrengend ist, hat er sie beleidigt. Es ging dann so aus, dass er mit einer Judorolle auf den roten Teppich fiel und von mir nach draußen geleitet wurde. Auf der letzten Buchmesse ist mir dieser Literat dann wieder begegnet, ich sollte ihn auf einen Gesprächstermin begleiten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein gutes Wort für diesen Typen übrig gehabt, obwohl ich seine Bücher eigentlich ganz gut fand.
Er konnte sich zwar nicht an den Abend damals erinnern, das hat mich nicht gewundert, aber er hat sich entschuldigt, auch bei Tessa Martin. Wir haben dann nach 20 Jahren das Kriegsbeil begraben.
Der Schulz hat vor fast 40 Jahren als Türsteher in der Batschkapp Frankfurt angefangen. Seit mehr als 20 Jahren betreut er diverse Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Sein Fachgebiet liegt darin, Kunst, Kultur und Sicherheit unter einen Hut zu bringen.
