
Alexus Grynkewich, der bei der NATO nur „Grynch“ genannt wird, trägt zwei Barette. Der 54 Jahre alte Viersternegeneral ist seit Juli vorigen Jahres sowohl der Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Europa als auch der Oberbefehlshaber der NATO für Europa, kurz SACEUR. So ist es immer gewesen, weil die USA den wichtigsten Beitrag zur kollektiven Verteidigung der Allianz leisten. Auf sie entfallen fast 100.000 Truppen in Europa, knapp die Hälfte der militärischen Fähigkeiten und zwei Drittel der gesamten Verteidigungsaufgaben. Jetzt wird es bei Grynkewich liegen, die jüngste Entscheidung von Verteidigungsminister Hegseth und Präsident Trump umzusetzen: in den nächsten sechs bis zwölf Monaten 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
Möglicherweise kam das für den General so überraschend wie für die Bundesregierung. Zwar hatte Hegseth kurz nach seinem Amtsantritt eine Überprüfung der weltweiten Truppenpräsenz angekündigt, einschließlich eines neuen Schwerpunkts in der Pazifikregion. Doch signalisierten US-Diplomaten ihren europäischen Kollegen zuletzt, dass die Regierung keine formale „Global Force Posture Review“ veröffentlichen werde, weil größere Änderungen derzeit nicht geplant seien. Verbunden wurde das mit der Botschaft, es werde „keine Überraschungen“ geben. Kleinere Umgruppierungen wurden erst infolge eines Treffens der US-Regionalkommandeure in den nächsten Wochen erwartet. „Grynch“ werde schon dafür sorgen, dass die US-Präsenz in Europa hoch bleibe, hieß es intern.
Verlegung aus Deutschland nach Polen?
Das hat der Mann, dessen Nachname die belarussische Herkunft seines Urgroßvaters verrät, womöglich auch noch in der Hand. So könnte er eine mit Stryker-Radpanzern bewaffnete Brigade aus Deutschland abziehen und weiter im Osten stationieren, etwa in Polen. Darüber wird schon länger nachgedacht, zumal die Verlegung der Einheit bei Übungen auf erhebliche logistische Schwierigkeiten gestoßen ist. Grynkewich soll einen direkten Draht zu Trump haben. Der wählte ihn persönlich für die Aufgabe in Europa aus, als er noch drei Sterne auf der Schulter trug – was, gemessen an seinen Vorgängern auf dem Posten, unüblich war.
Der Mann aus der Luftwaffe genießt in den Reihen der Verbündeten hohes Ansehen. Seit seinem Amtsantritt hat die Allianz zwei neue Einsätze aufgelegt, „Eastern Sentry“ und „Arctic Sentry“ zur besseren Überwachung der östlichen Flanke und der Arktis. Öffentlich tritt Grynkewich verbindlich auf, weicht kritischen Fragen nicht aus und benennt Defizite beim Namen. Wegen seiner Doppelaufgabe verbringt er die Hälfte seiner Woche im belgischen Mons und die andere Hälfte im US-Hauptquartier in Stuttgart. Dort war er zwischen 2010 und 2012 schon einmal stationiert und hatte auch einige private Freundschaften geschlossen.
