
Das Umweltministerium in Schwerin hat den Sender, der an dem Buckelwal angebracht worden war, einer Tierärztin der privaten „Rettungsaktion“ übergeben. Das teilte die von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) geführte Behörde am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung mit. „Der Tracker selbst sowie die zugehörigen Rohdaten stehen im Eigentum der Initiative“, heißt es. „Über eine Veröffentlichung der Rohdaten entscheidet daher grundsätzlich die Initiative.“ Gleichzeitig sei in einer Vereinbarung zwischen Ministerium und Behörde geregelt, dass ein vollständiger Zugriff eingeräumt werde. Doch wann das geschehe, lässt das Ministerium unklar.
Die Übergabe legt nahe, dass die für den Transport in die Kritik geratene private Initiative selbst die Daten auswertet. Welche Folgen die „Rettungsaktion“ der privaten Initiative am Ableben hatte, wird durch die Daten womöglich belegt. Wie eine unabhängige Auswertung ablaufen soll, bei der die Initiative selbst beteiligt ist, bleibt unklar. Das Ergebnis könnte weitreichend beeinflussen, wie das Handeln der „Rettungsinitiative“ und des Landesumweltministers im Nachhinein bewertet werden.
Der mindestens fünfmal gestrandete Wal war entgegen wissenschaftlichen Rats aus der Wismarer Bucht in einem Lastkahn durch die Nordsee geschleppt worden. Nach seiner Freisetzung im vielbefahrenen Kattegat am Nordzipfel Dänemarks verendete das Tier offenbar recht rasch.
In einer Fragestunde im Schweriner Landtag sagte Backhaus zudem, das Land Mecklenburg-Vorpommern habe von der privaten Initiative eine Haftungsfreistellung bekommen. „Die volle Verantwortung hat diese Initiative übernommen“, sagte er.
Kadaver soll am Donnerstag öffentlich obduziert werden
Unterdessen läuft auf der Insel Anholt die Obduktion des Walkadavers an. Dort war der Wal wenige Tage nach seiner Freilassung angespült worden. Eine kleine Gruppe von Tierärzten und Meeresbiologen will bei der etwa sechsstündigen Untersuchung mitunter DNA-Proben entnehmen, teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde der F.A.Z. mit. So sollten einerseits die Todesursache geklärt, aber auch Proben zu Forschungszwecken sichergestellt werden. Danach werde das Tier „auf angemessene Art“ von der Urlaubsinsel entfernt.
Der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen skizzierte in einem Gespräch mit der F.A.Z. den Ablauf der Aktion. „Als Erstes wird der Wal kontrolliert punktiert“, sagte er. Wie ein Ballon werde das Tier mit einem Messer, das sich an einem langen Holzstiel befinde, quasi zum Platzen gebracht. So könnten Verletzungen durch umherfliegende Teile und Eingeweide vermieden werden.
„Vom Maul über die Speiseröhre, dann der Magen und der Darm“
Das Innere des Tieres ist voller Fäulnisgase, weil es mehr als zwei Wochen vor der Urlaubsinsel Anholt in seichtem Gewässer getrieben hatte. Aufgrund seiner Fettschicht können diese jedoch nicht von selbst entweichen. Der Wal blähte sich auf und drohte zu explodieren. Derzeit ist der Strand rund um den Buckelwal mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, wie auf mehreren Livestreams zu sehen ist.
Schaulustige dürfen die Arbeiten zwar beobachten. Dabei müssen sie jedoch ausreichend Abstand halten. Schon zuvor hatte die dänische Umweltbehörde Einheimische und Badegäste dazu aufgerufen, sich dem Wal wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr nicht zu nähern.
Sobald das Loch gesetzt ist, beginnt laut Madsen die eigentliche Obduktion. Dafür gebe es „ein umfangreiches Messprotokoll“. Sowohl die äußere Haut des Wals als auch die Organe würden dabei untersucht. Letztere müssten dafür entnommen werden: „Vom Maul über die Speiseröhre, dann der Magen und der Darm“, sagte Madsen. So ließe sich feststellen, welche Rolle Fangnetze oder Tauwerk beim Tod des Tieres spielten.
