Die ABG Frankfurt Holding, eines der größten kommunalen Wohnungsbauunternehmen Deutschlands, stellt sich personell auf. Nach 35 Jahren an der Spitze tritt Geschäftsführer Frank Junker in den Ruhestand. Der Vertrag des 69 Jahre alten Juristen läuft Ende des Jahres aus. Die zweite Geschäftsführerin Daniela Matha verlässt das Unternehmen nach nur zwei Jahren und soll die Leitung einer neuen Entwicklungsgesellschaft der Stadt Frankfurt übernehmen. Diese soll sich vor allem um die Planung eines neuen Stadtteils im Nordwesten Frankfurts kümmern.
Damit wird eine Situation beendet, die in den vergangenen Monaten Unruhe in die Wohnungsbaugesellschaft gebracht hatte, Beobachter sprachen sogar von einem Machtkampf. Matha hatte sich Hoffnungen gemacht, nach dem Ausscheiden Junkers an die Spitze der Holding aufrücken zu können. Mit dieser Perspektive hatte der Aufsichtsrat die zuvor lange bei einem kommunalen Unternehmen in Offenbach tätige Bauingenieurin 2024 auf den zuvor mehrere Jahre vakanten zweiten Geschäftsführerposten berufen.
Allerdings hatte Matha bei der ABG nur wenige Zuständigkeiten und Entfaltungsmöglichkeiten, beklagte sich darüber auch beim Aufsichtsrat, bei dem das zum Teil nicht gut angekommen ist. Das Verhältnis zwischen Junker und Matha gilt als zerrüttet, auch die Arbeitnehmervertretung soll sich gegen die Geschäftsführerin gestellt haben. Sie wurde bereits zum 1. Oktober freigestellt.

Junker hätte dem Vernehmen nach gerne noch für eine gewisse Zeit weitergemacht, auch um die neue Geschäftsführung einzuarbeiten. Doch der Aufsichtsrat unter der Leitung von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) hat einen klaren Schnitt vorgenommen. Nach dem Auslaufen von Junkers Vertrag am 31. Dezember übernehmen Norman Diehl und Armin Niedenthal am 1. Januar nahtlos die Leitung der ABG, die insgesamt rund 55.000 Wohnungen verwaltet.
Neue Geschäftsführer aus Darmstadt und Hofheim
Der Immobilienfachwirt und Diplom-Kaufmann Diehl ist seit 2015 Geschäftsführer der kommunalen Hofheimer Wohnungsbau GmbH und seit 2023 auch deren Vorsitzender. Niedenthal ist Diplom-Ingenieur für technische Gebäudeausrüstung und kommt ebenfalls aus der kommunalen Wohnungswirtschaft, er ist seit 2016 Vorstand der Bauverein AG in Darmstadt. Zuvor war er Geschäftsführer der kirchlichen Wohnungsbaugesellschaft GSW in Frankfurt. Josef erhofft sich von der künftigen Geschäftsführung neue Impulse für den städtischen Wohnungskonzern.
Frank Junker hat die ABG dreieinhalb Jahrzehnte lang geprägt. Der Rechtsanwalt und frühere Steuerfahnder hatte Anfang der Neunzigerjahre als Referent des damaligen Stadtkämmerers Martin Grüber (SPD) die Neuorganisation der fünf städtischen Wohnungsbaugesellschaften in einer Holding vorbereitet. 1991 wurde er zunächst deren Prokurist, 1993 dann Geschäftsführer. Als Vorsitzender der Geschäftsführung hielt er immer die Fäden in der Hand und war das Gesicht der ABG Holding nach außen.
Erfolgreicher, aber nicht unumstrittener Manager
Der Jurist war 34 Jahre lang passives SPD-Mitglied, bevor er 2008 zur CDU wechselte. Mit der Politik geriet er immer wieder in Konflikt, etwa als es um eine Mietenbremse für die ABG-Wohnungen oder eine höhere Quote an Sozialwohnungen ging. Zuletzt nahm er kein Blatt vor den Mund, als vor einem Umbau des früheren Juridicums der Goethe-Universität warnte, den er für unwirtschaftlich hält. Auch von Mieterseite wurde der ABG-Manager immer wieder kritisiert. Bemängelt wurde zuletzt zum Beispiel die Kommunikation im Zusammenhang mit der Sanierung der Gellertsiedlung im Frankfurter Nordend. Aus Architektenkreisen ist mitunter die Kritik zu hören, unter Junkers Leitung achte die ABG bei Neubauten zu wenig auf gestalterische Qualität.
Wirtschaftlich war die ABG, an der außer der Stadt Frankfurt mit einem kleinen Anteil auch die Frankfurter Sparkasse beteiligt ist, unter Junkers Führung sehr erfolgreich. 2024 wurde ein Jahresüberschuss von rund 96 Millionen Euro erzielt. Die Eigenkapitalquote von 42,7 Prozent ermöglicht es dem Unternehmen, Investitionen zu günstigen Konditionen zu finanzieren. „Frank Junker hat ABG mit Weitblick, unternehmerischem Können und großer Verantwortung für unsere Stadt geprägt“, sagt Oberbürgermeister Josef. Er habe aus einem Unternehmen in schwieriger Lage einen leistungsfähigen kommunalen Wohnungsbaukonzern gemacht.
Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) bezeichnete die scheidende Geschäftsführerin Daniela Matha als „Gewinn für die weitere Entwicklung des neuen Stadtteils im Frankfurter Nordwesten“. Sie könne auf die Erfahrung ihrer bisherigen Tätigkeiten zurückgreifen. Matha hat unter anderem die Entwicklung des Offenbacher Hafens zu einem urbanen Quartier mitverantwortet. Ihrer Berufung zur Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaft müssen die zuständigen Gremien noch zustimmen.
