Herr Sorkin, viele Ihrer Werke wirken wie Kammerspiele. Das beginnt mit „Eine Frage der Ehre“, von Ihnen für die Bühne geschrieben und von Rob Reiner verfilmt, das gilt für Ihre Serien „The West Wing“ und „The Newsroom“, aber auch für Ihren bislang wohl bekanntesten Film „The Social Network“. Wie stark sehen Sie sich selbst vom Theater beeinflusst?
Ich fühle mich tatsächlich am sichersten, wenn ich Theaterstücke schreibe. Wenn ich Kino oder Fernsehen mache, versuche ich, damit durchzukommen, ein Theaterstück zu filmen. Ich mag enge Räume, die Klaustrophobie erzeugen. Wenn man seine Hand um eine Mandarine schließt und fest zudrückt, fliegen Saft und Fruchtfleisch heraus. In meinem neuen Film gibt es zwei Handlungsstränge, aber sie kulminieren am Ende in einem Raum an einem Morgen, an dem es um sehr viel geht.
Das stimmt. Ich würde sagen, es ist ein weiterer Film über Facebook, und einer der Charaktere aus dem ersten Film ist auch in dem neuen dabei – als ob Henry Hill aus „Goodfellas“ als Figur in „Casino“ wieder auftauchen würde.

Das ist interessant, bei „The Social Network“ gab es offenbar zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen: Die einen haben die Geschichte rund um Zuckerberg und die Entstehung von Facebook als Warnung verstanden, die anderen als Motivationserzählung. Im neuen Film ist aber gar nicht Zuckerberg die Hauptfigur, sondern die Whistleblowerin Frances Haugen.
„The Social Reckoning“ dramatisiert Haugens moralischen Entschluss, Insiderwissen mit dem Investigativjournalisten Jeff Horwitz zu teilen, das belegt, wie Facebook Desinformation, politisch radikale und gefährliche Inhalte auf seiner Plattform nicht eindämmte, obwohl das möglich gewesen wäre. In der Realität führte die Veröffentlichung dieser „Facebook Files“ dazu, dass auch Zuckerberg sich vor dem amerikanischen Kongress rechtfertigen musste. Sie haben selbst das Drehbuch zum Film geschrieben – schon das stelle ich mir heikel vor angesichts möglicher Beschwerden oder Klagen?
Die Produktionsfirma Sony und ihr Vorsitzender Tom Rothman kannten die Gefahr, aber haben nie gezuckt, wofür ich dankbar bin. Die Anwälte von Zuckerbergs Konzern Meta haben ebenfalls signalisiert, dass es diese Gefahr gibt, also hat Sony von vornherein eine externe Kanzlei beschäftigt, um alles juristisch prüfen zu lassen. Aber am Ende musste ich gar nicht viel ändern, ein paar Zeilen vielleicht, nichts, was mich verärgert hätte. Ich bin sicher, es gibt einfachere Aufgaben für Anwälte! Aber wir haben es hingekriegt.
Um kurz auf das Theatralische zurückzukommen: Ihre Filme stehen auch in der Tradition eines David Mamet, dessen oft verfilmte Stücke sozialgeschichtliche amerikanische Entwicklungen aufklärerisch begleiten.
Ich weiß nicht, ob ich mich als aufgeklärt bezeichnen darf, aber möchte gern zustimmen.
In der „New York Times“ stand allerdings jüngst, Sie schreiben eher idealistisch als realistisch.
Stimmt schon, ich schreibe idealistisch und gern auch romantisch – aber vielleicht nicht in übertriebener Weise? Ich mag Helden, die keine Superkräfte haben, einfache Leute, die trotzdem Großes erreichen. Ich bin froh, dass in diesem Film sozusagen auch der Printjournalismus der Held ist. Und ja, ich möchte auch, dass man das Kino mit einem Anflug von Optimismus verlässt.
