
Die Zahl der Baugenehmigungen steigt – und die Bauindustrie hofft auf eine Fortsetzung des positiven Trends im Wohnungsbau. Doch zugleich gibt es Stimmen, die auf Risiken durch den Irankrieg und die Problematik von steigenden Zinsen hinweisen.
Daher wird manche notwendige Sanierung auch im energetischen Bereich auf die lange Bank geschoben, weil die wirtschaftliche Lage für Bauherren und Unternehmen nicht einfach ist. Dies bekommt der in Stühlingen nahe Freiburg ansässige börsennotierte Dämmstoff- und Farbenhersteller Sto SE & Co. KGaA unmittelbar zu spüren.
Die Rahmenbedingungen für die im S-Dax notierte Aktie bleiben sehr anspruchsvoll. Seit Anfang des Jahres gab das Papier in der Spitze um bis zu 18 Prozent im Kurs nach und notierte zuletzt knapp über 100 Euro. Von seinem Hoch bei 260 Euro Ende 2022 ist der Anteilsschein damit weit entfernt.
Der Mittelständler ist einer der führenden Anbieter von Wärmedämmverbundsystemen. Und im Kursrückgang spiegelt sich sicherlich auch, dass in einigen Ländern die Förderprogramme für die energetische Sanierung zum Teil beschnitten worden sind. Trotz der Einschnitte von staatlicher Seite rechnet das Unternehmen langfristig weiterhin mit einer Zunahme der Nachfrage nach Wärmedämmverbundsystemen.
Bauflaute und ein nasser Winter belasten
In Deutschland erwartet das Unternehmen laut Geschäftsbericht für das laufende Jahr 2026 wieder eine positive Entwicklung in dem Bereich. Das Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten GmbH geht von einem Zuwachs um 2,5 Prozent aus. Es wird auf die steigenden Baugenehmigungen und stabilisierenden Immobilienmärkte verwiesen. Doch einen Haken könnte die Sache haben: „Gleichzeitig verweist B+L auf die weiterhin angespannte Situation im Bereich Renovierung infolge der anhaltend großen Verunsicherung.“
Im laufenden Jahr hatte der kalte und nasse Winter den Farben- und Dämmstoffspezialisten Sto im ersten Quartal belastet. Er schränkte die Arbeiten auf Baustellen – insbesondere im Außenbereich – stark ein. Daraus ergaben sich spürbare Rückgänge im Geschäft für Fassadenarbeiten, das den umsatzstärksten Produktbereich des Konzerns darstellt. Der gesamte Umsatz sank im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozent auf 318,5 Millionen Euro. Natürlich schlug sich auch die anhaltende Bauflaute nieder, weil es sich in der Regel Monate und manchmal auch über ein Jahr hinziehen kann, bis eine Baugenehmigung umgesetzt wird.
Der gesunkene Umsatz sowie gestiegene Personalkosten drückten auf das Ergebnis: Der im ersten Quartal saisonbedingt gewöhnlich erzielte Fehlbetrag habe sich im Vergleich zum Vorjahr vergrößert, hieß es. Durch den Irankrieg gestiegene Beschaffungspreise hätten sich hingegen noch nicht niedergeschlagen. Die Jahresziele bestätigte Konzernlenker Rainer Hüttenberger und vermeldete Umsatzwachstum im April.
Breite Prognosespanne signalisiert Ungewissheit
Für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand um Hüttenberger vorsichtig. Der Farbenspezialist peilt 2026 einen operativen Gewinn (Ebit) von 56 Millionen bis 76 Millionen Euro an. Damit könnte das Ergebnis um 18 Prozent steigen, aber auch im schlimmsten Fall 13 Prozent unter den Vorjahreswert sinken. Für Anleger bedeutet die bestätigte Ebit-Spanne zwar keine Entwarnung, aber einen wichtigen Hinweis: Sto hält seine Jahresplanung trotz schwächerem Auftakt.
Vom Unternehmen wird eine Umsatzrendite zwischen 3,3 bis 4,7 Prozent angestrebt. Der Umsatz soll auf 1,62 Milliarden Euro klettern. Die Bandbreiten in der Prognose signalisieren weiterhin Unsicherheit. Im Gesamtjahr 2025 schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 1,3 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Operativ lief es für das Unternehmen dank Sparmaßnahmen besser: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte im vergangenen Jahr um 9,5 Prozent auf 64,4 Millionen Euro zu. Unter dem Strich zog der Nettogewinn um 4,3 Prozent an auf 39,2 Millionen Euro.
Die Dividende will das Unternehmen für das vergangene Jahr stabil halten. So will Sto den Stammaktionären eine Basisdividende von 0,25 Euro und drei Euro Bonus auszahlen. Bei den Vorzugsaktionären soll die Dividende 0,31 Euro Basisdividende und drei Euro Bonus betragen. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien sind alle im Streubesitz und machen 37 Prozent der Aktionärsstruktur aus. 57 Prozent der nicht börsennotierten Stammaktien hält die Familie Stotmeister und den Rest das Unternehmen selbst.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) betrug zuletzt etwas mehr als 16. Je niedriger das KGV ist, desto preisgünstiger und attraktiver ist die Aktie bewertet. Denn das KGV gibt an, in wie vielen Jahren bei konstanten Unternehmensgewinnen Anleger den Wert erhalten, den sie für die Aktie bezahlt haben. Sto ist vor allem im Großprojektgeschäft tätig. Wesentliche Zielgruppen sind das Maler- und Stuckateurhandwerk, die Wohnungsbauwirtschaft sowie Architektur- und Planungsbüros. Normale Heimwerker sind nicht die klassischen Abnehmer der Produkte.
