
Beim Klimaschutz sieht Schulte Fraport auf Kurs: Minus 32 Prozent Treibhausgasemissionen auf 109.000 Tonnen im Jahr 2025 könne man vorweisen, der Strombedarf werde bald vollständig über On- und Offshore-Wind sowie die Photovoltaik-Anlagen am Flughafen gedeckt.
Die Passagierzahlen haben über alle Fraport-Flughäfen hinweg mit 184 Millionen das Vorkrisenniveau erreicht, getragen von den Auslandsbeteiligungen, die stark zugelegt haben: Die Flughäfen in Griechenland liegen 23 Prozent über dem Niveau von vor Corona, Antalya zehn Prozent, Lima acht Prozent darüber. Frankfurt hängt mit rund 90 Prozent des Vorkrisenniveaus international weiter hinterher, stehe national aber nicht schlecht da, sagte Schulte. Um wieder Richtung 70 Millionen Passagiere am Standort Frankfurt zu kommen, müssten die Standortkosten sinken.
Fraport will Eigenkapitalquote erhöhen
Im Ausblick dominierte erwartungsgemäß ein Thema: Kerosin. Ursprünglich habe man ein Plus bei den Passagierzahlen von vier bis sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Ob das zu erreichen sei, könne man derzeit kaum absehen. Fraport habe Notfallpläne, rechne aber nicht mit einer Mangellage, sagte Schulte. Das größte Risiko sei derzeit vielmehr eine „self-fulfilling prophecy“, nach der Fahrgäste aus Sorge vor Problemen erst gar keine Flüge buchten, sondern stattdessen mit Auto oder Bahn zum Urlaubsort reisten. Zudem hätten schon die Streiks bei der Lufthansa im April rund 500.000 Passagiere betroffen, die nun nicht mehr in der Statistik auftauchen.
Finanziell hat Fraport laut Schulte die teuren Jahre hinter sich. Künftig sollen nur noch 600 bis 700 Millionen Euro im Jahr investiert werden, wodurch das Verhältnis von Nettofinanzschulden zu Ebitda deutlich verbessert und bis 2028 auf unter 5 zu 1 gesenkt werden soll. Ist das erreicht, strebt Fraport an, die Ausschüttungsquote, die bei einem Euro Dividende nun rund 20 Prozent des Nettogewinns erreicht, auf 60 bis 80 Prozent anzuheben. Bis 2030 soll der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bei zwei Milliarden, der Free Cash Flow bei einer Milliarde Euro liegen. Zudem will Fraport bis dahin die Eigenkapitalquote von derzeit rund 25 Prozent auf 30 Prozent erhöhen.
In der Aussprache lobte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die Entscheidung, den Großteil des Gewinns für Rücklagen zu verwenden, wollte die Risiken aber genauer eingeordnet sehen. Er fragte zudem, ob das Ziel von 70 Millionen Passagieren und mehr angesichts der Weltlage noch realistisch sei. Zudem fragte er, ob der Condor-Hub im T3 oder der Ausbau der Cargo-City ähnlich ertragsstark sei wie die Zusammenarbeit mit der Lufthansa, die derzeit in München investiere.
Schulte erwiderte, dass weniger Flüge in und über den Nahen und Mittleren Osten nicht so sehr ins Gewicht fielen, weil dafür mehr Direktflüge nach Asien gebucht würden. Der Vorstand sei zudem überzeugt davon, das Ziel von 70 Millionen Passagieren in Frankfurt zu erreichen. Für Kerosin gebe es Notfallpläne, man sei aber als Frankfurter Flughafen strukturell unabhängiger als etwa der Flughafen BER, der in hohem Maße auf die Raffinerie in Schwedt angewiesen sei. Condors Codeshares- und Interline-Abkommen mit Nicht-Star-Alliance-Partnern im Terminal 3 seien „ein Win-win“, Lufthansa gewinne zudem im T1 Kapazität für das eigene Wachstum.
Auch Florian Honselmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bezweifelte, dass von Frankfurt aus bald wieder 70 Millionen Passagiere fliegen werden. Er wollte zudem wissen, wie sich das Terminal 3 amortisieren soll, wenn die Passagierzahlen niedriger bleiben, und warum die T2-Sanierung so lange dauere. Schulte stellte klar, dass man sich beim T2 bewusst Zeit nehme. Die Ausführungsplanungen müssten absolut konfliktfrei sein, bevor man mit der Baustelle beginne. Das Terminal 3 sei entscheidend für den Standort.
