Nach dem Ausbruch des Hantavirus an Bord des Kreuzfahrtschiffes Hondius vor Kap Verde ist eine deutsche Passagierin ausgeflogen worden und mit einem Spezialflugzeug in Amsterdam gelandet. Dabei handelt es sich um eine 65-jährige, die in engem Kontakt mit der deutschen Frau stand, die an Bord gestorben
war
Die Frau gilt als Verdachtsfall und soll in einer Klinik in Düsseldorf untersucht
werden. Sie habe bisher keine Symptome, hieß es von der Feuerwehr Düsseldorf. Nach der Landung des Flugzeugs nahmen Sanitäter aus Düsseldorf die 65-Jährige auf dem Rollfeld in Empfang – die Feuerwehr Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)
übernehmen gemeinsam den Transport nach Deutschland. Ein Sprecher der Feuerwehr sagte der Nachrichtenagentur AFP am
Mittwochabend, ein Konvoi von sechs Fahrzeugen sei mit der Frau in
Richtung Düsseldorf unterwegs. Die Sanitäter trugen Spezialanzüge,
um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Auf der Infektionsstation in Düsseldorf soll eine klinische Ersteinschätzung erfolgen.
Anderes Flugzeug offenbar noch auf dem Weg
Ein weiteres Spezialflugzeug mit zwei Patienten an Bord musste nach übereinstimmenden Berichten einen
technischen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Grund sei ein
Defekt an einer Isolationskapsel, berichtete demnach der TV-Sender RTVE am Abend
unter Berufung auf die Delegation der spanischen Zentralregierung auf
den Kanaren. Die Insassen sollen an Bord bleiben, der Flug werde bald
fortgesetzt.
Die beiden Patienten sind infizierte Crew-Mitglieder. Ein Brite (56) und ein
Niederländer (41) sind nach Angaben der Reederei krank und brauchen
dringend medizinische Hilfe. Bei dem Briten handelt es sich um den Schiffsarzt.
Ob sie mittlerweile ebenfalls bereits in Amsterdam gelandet sind, ist noch unklar.
»Hondius« auf dem Weg in Richtung Kanaren
Unterdessen ist die Hondius von Kap Verde in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen. Das Schiff werde »innerhalb von drei
Tagen« im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen, teilte
Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mit. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls
medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen
Heimatländer zurückkehren. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das
Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der WHO. Er beklagt
»fehlende Transparenz« und fordert ein »dringendes Treffen« mit Spaniens
Regierungschef Pedro Sánchez.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
WHO gab es an Bord des Kreuzfahrtschiffes »Hondius« acht Krankheitsfälle, von denen fünf durch Labortests bestätigt wurden. Drei Menschen sind gestorben: ein Ehepaar aus den Niederlanden und ein
Passagier aus Deutschland. Eine Leiche ist noch an Bord.
Auf einer Birdwatchingtour angesteckt?
Zwei mit der Untersuchung des Hantavirus-Ausbruchs befasste Beamte
sagten der Nachrichtenagentur AP, die argentinische Regierung halte es
für am wahrscheinlichsten, dass sich das niederländische Paar – darunter also der sogenannte Patient Null – während
einer Vogelbeobachtungstour in der Stadt Ushuaia
mit dem Virus angesteckt habe. Während der Tour vor dem Einschiffen
seien die beiden auf einer Mülldeponie möglicherweise mit infizierten
Nagetieren in Kontakt gekommen.
Am Mittwoch gab die WHO zudem einen weiteren Fall bekannt. Ein Passagier der Hondius wurde nach seiner Rückkehr in die Schweiz positiv auf das Hantavirus getestet. Er wird nach Angaben der Behörden im Universitätsspital Zürich behandelt. Der Mann war im Verlauf der Reise von Bord gegangen und über Südafrika in seine Heimat geflogen. Die Ehefrau habe keine Symptome.
Ob der Mann zu den acht Infizierten gerechnet wird, blieb unklar.
Infizierte war kurz vor Tod noch an Bord einer KLM-Maschine
Das Kreuzfahrtschiff lag seit Sonntag mit rund 150 Menschen an
Bord vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas vor Anker, nachdem das Virus an Bord festgestellt worden war. Der erste Infizierte verstarb bereits am 11. April, zu dem Zeitpunkt war das Ausmaß noch nicht absehbar. Seine Frau war von Bord gegangen und erlag zwei Wochen später in Johannesburg den Folgen des Virus.
Sie war kurz vor ihrem Tod noch in Johannesburg an
Bord eines Flugzeuges gewesen und sollte damit zurück nach Amsterdam
fliegen. Doch die Frau sei so krank gewesen, dass die Crew beschlossen
habe, sie nicht mitzunehmen, teilte die Fluggesellschaft KLM in
Amsterdam mit. Die Frau verließ das Flugzeug und starb einen Tag
später.
Konkreter Virusalarm auf dem Schiff herrschte erst nach dem Tod der deutschen Passagierin und der schweren Symptomatik zweier Crewmitglieder am 2. Mai.
Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren
übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist in seltenen Fällen
auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dies ist zum
Beispiel bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm der Fall, der bei mehreren Fällen beim aktuellen Ausbruch auf dem Schiff nachgewiesen wurde.
