Nach viel Kritik an den hohen Ticketpreisen für die Fußball-WM hat Fifa-Präsident Gianni Infantino auf das Preisniveau im US-Markt verwiesen. »Wir müssen den Markt betrachten – wir befinden
uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten
entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden«, sagte Infantino bei der Milken Institute Global Conference in Beverly Hills.
Das teuerste Ticket für das Finale der WM in New York (19. Juli) kostete rund 11.000 Dollar. Zum Vergleich: Bei der WM in Katar 2022 mussten Fans für die höchste Kategorie etwa 1.600 Dollar zahlen. Infantino betonte, dass ein Viertel der Tickets für die Gruppenphase für unter 300 US-Dollar angeboten worden seien.
»In den USA kann man sich kein College-Spiel
ansehen – ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten
Niveau – für weniger als 300 Dollar«, sagte Infantino:
»Und das ist die Weltmeisterschaft.« Außerdem habe man mit einkalkuliert, dass es in den USA eine Kultur des Weiterverkaufens gebe. Zuletzt wurden auf der
Weiterverkaufsplattform der Fifa vier Tickets für das WM-Finale zum Preis von über zwei Millionen US-Dollar pro Stück
angeboten.
Ein Finalticket für zwei Millionen Dollar auf dem Zweitmarkt
Infantino versuchte auch das einzuordnen. »Wenn manche Leute Tickets für das Finale für
zwei Millionen Dollar auf dem Weiterverkaufsmarkt anbieten, bedeutet das
erstens nicht, dass die Tickets zwei Millionen Dollar kosten«, sagte
er: »Und zweitens bedeutet das nicht, dass jemand diese Tickets kaufen
wird.« Sollte jemand Tickets zu diesem Preis erwerben, werde er »ihm
persönlich einen Hotdog und eine Cola bringen, um sicherzustellen, dass
er ein großartiges Erlebnis hat«, witzelte der 56-Jährige.
Auf dem Zweitmarkt können bereits erworbene Karten wieder angeboten werden, ohne Regulierung durch den
Weltverband. Der Verkäufer oder die Verkäuferin legt den Preis selbst fest. Die Fifa profitiert gleich
doppelt: Sie kassiert 15 Prozent Gebühr – sowohl vom Verkäufer als auch
vom Käufer. Insgesamt nimmt die Fifa Schätzungen zufolge rund 11 Milliarden Dollar durch das Turnier ein.
Kritik aus der US-Politik
In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Kritik an den teuren Ticketpreisen gegeben. Die Organisation Football Supporters Europe (FSE) reichte bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde dagegen ein. Der Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Aydan Özoğuz (SPD), sprach in der Rheinischen Post von einer »absurden Preispolitik« und kritisierte, dass »vielen begeisterten Fußballfans aus allen Ländern die Stadiontore
verschlossen bleiben«.
Auch US-Politiker empörten sich. »Es ist skandalös, dass Zehntausende Fans aus unserer Region
von einem einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert
wird, aufgrund der hohen Preise ausgeschlossen werden«, sagte der
kalifornische Kongressabgeordnete Josh Harder.
Darüber hinaus sorgten hohe Preise für Parkplätze von bis zu 225 Dollar in Stadionnähe und für den Nahverkehr zum Stadion von teilweise 150 Dollar für Kritik. Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im
Senat, forderte von der Fifa, die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr
in den Spielorten- und Regionen während der WM zu übernehmen.
Die Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko statt.
