Hausmittel wie Wadenwickel, Hühnersuppe oder Dampfinhalation fühlen sich für Eltern nach traditoneller Fürsorge an. Aber sind sie deshalb besser als eine Tablette? Antworten hat der Kinderarzt Jörg Dötsch in unserer Serie Familienrat.
Die ZEIT: Wenn
meine Kinder Schmerzen oder Fieber haben, gebe ich ihnen eine Tablette.
Wenn ich höre, welche Mühe sich andere Mütter mit Wadenwickeln gegen
Fieber oder Zwiebelsäckchen für schmerzende Ohren machen, habe ich ein
schlechtes Gewissen. Zu Recht?
Jörg Dötsch:
Nein, das müssen Sie auf gar keinen Fall haben. Ich mache es an einem
Beispiel deutlich. Früher hat man Schmerzen und Fieber unter anderem mit
Silberweidenrinde behandelt. Sie enthält eine Vorstufe des Aspirins,
also der chemischen Substanz Acetylsalicylsäure. Heute gibt man den
Wirkstoff als Tablette und erzielt das Gleiche.
