
Der Bundesverband der Psychologinnen und Psychologen hält gesetzliche Regelungen für die Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche für dringend erforderlich. Die eklatante Zunahme von psychischen Störungen wie Angst- und Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und die Entwicklung von Abhängigkeiten sei mittlerweile wissenschaftlich gut belegt. Die übermäßige Nutzung durch Heranwachsende sei entwicklungspsychologisch relevant und habe massive Auswirkungen auf das Kindeswohl.
Aufgrund der Intransparenz und Komplexität aktueller Social-Media-Plattformen sollte die Verantwortung aus Sicht der Psychologen dem Verursacherprinzip entsprechend bei den jeweiligen Betreibern von Plattformen liegen. Politiker müssten aber für eine gesetzliche Regulierung sorgen und ausreichende Kontrollmöglichkeiten etablieren.
Pädagogen brauchen Medienkompetenz
Außerdem müssten Plattformen aus Sicht der Psychologen die verwendeten Algorithmen verpflichtend offenlegen. Plattformbetreiber sollen dazu verpflichtet werden, die Funktionsweise und Entscheidungslogiken von Algorithmen, deren Auswirkungen auf Nutzer sowie Methoden und Ergebnisse von Compliance-Prüfungen transparent darzulegen, heißt es in der Resolution. Diese Mechanismen sollen „für Aufsichtsbehörden und Forschungseinrichtungen nachvollziehbar und überprüfbar“ sein.
Die Psychologen halten auch eine altersgerechte Staffelung für den Zugang zu Social-Media-Plattformen für nötig. Rechtliche Vorgaben könnten Eltern in der Medienerziehung ihrer Kinder unterstützen. Insbesondere bei Kindern unter zehn Jahren gebe es Unterstützungsbedarf, den Public-Health-Kampagnen auf Landesebene aufgreifen könnten.
Von entscheidender Bedeutung sei auch die Erweiterung der Medienkompetenz von Pädagogen an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen. Hilfreich wären eine flankierende Beratung des pädagogischen Personals, der Erziehungsberechtigten sowie der Kinder und Jugendlichen durch Medienberater und die Einführung von Social-Media-Sprechstunden an weiterführenden Schulen.
Außerdem plädiert der Verband für ein bundesweites Smartphone-Verbot an Schulen (bis zur zehnten Klasse) nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins und anderer Länder. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen fordert der Psychologenverband die verantwortlichen Politiker dazu auf, gesetzliche Regelungen zum Schutz vor Risiken der Social-Media-Nutzung auf den Weg zu bringen und eine sinnvolle Medienerziehung im Sinne des Kindeswohls zu unterstützen.
