Es ist plausibel, dass Premierminister Keir Starmer selbst nicht auf die Idee gekommen wäre, Peter Mandelson zum britischen Botschafter in Washington zu machen. Mandelson ist vieles, was Starmer nicht ist: gewandt und geschmeidig, bestens vernetzt, clever und eitel.
Deswegen schien er in den Augen von Starmers ehemaligem Stabschef Morgan McSweeney der richtige Entsandte an den Hof Donald Trumps zu sein. Und deswegen war Starmer vor eineinhalb Jahren mit Mandelsons Berufung auf den Posten einverstanden – obwohl er in den Jahren zuvor, während seines eigenen Aufstiegs in der Labour-Partei, den alten Strippenzieher Mandelson eher auf Abstand gehalten hatte.
Starmer ist ein Jurist, der erst spät den Weg in die Politik genommen hat. Vorher hatte er als Generalstaatsanwalt einen der höchsten Ränge in der englischen Justiz inne. Dass ihm Geschick und Instinkt fehlen, ist im Lauf seiner jetzt fast zwei Jahre währenden Amtszeit immer deutlicher geworden. Schon kurz nach seinem Wahlsieg im Juli 2024 begannen negative Schlagzeilen die Arbeit seiner Regierung zu verschatten.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Starmer hatte sich auf die Hoffnung verlassen, es genüge schon, seriös zu regieren, um sich positiv vom Chaos der vorhergegangenen konservativen Ära (Cameron, May, Johnson, Truss, Sunak) abzuheben. Doch weder gelang ihm das auf eine stetige Art und Weise, noch hätte es allein ausgereicht, um die kurzatmige Ereigniswelt in Westminster auf Dauer zu beeindrucken.
Es mangelte an zäher politischer Überzeugungsarbeit
Also überließ der Regierungschef die politische Witterung, die ihm selbst abgeht, anderen in seinem Stab, was die Sache nicht besser, sondern schlimmer machte. Es entstand wieder ein politisches Ankündigungsfeuerwerk – das den Inszenierungen der abgewirtschafteten Konservativen deutlich ähnelte, auch wenn die Themen sich unterschieden. Aber es mangelte an zäher politischer Überzeugungsarbeit: Nicht einmal die eigene Regierungsfraktion mit ihrer großen parlamentarischen Mehrheit konnte Starmer dauerhaft auf Kurs halten.
Im Ergebnis steigerte sich der Personalverschleiß in Starmers Führungszirkel in der Downing Street. Drei beamtete Amtschefs, zwei Stabschefs, fast ein halbes Dutzend Pressesprecher hat der Regierungschef in zwei Jahren nacheinander beschäftigt – und damit am Ende selbst das Bild einer stetigen, unaufgeregten Amtsführung zerrissen, das er so gern von sich präsentiert hätte.
Und im Fall Mandelson ist Starmer jetzt sogar selbst noch weiter auf dem abschüssigen Hang ins Chaos gerutscht. Er hat den höchsten Beamten des Außenministeriums entlassen, weil der ihm einst die Ergebnisse der Sicherheitsüberprüfung Mandelsons nicht mitteilte. Die britische Ministerialbürokratie kennt keine „politischen Beamten“, die nach Regierungswechseln nach Belieben in den Ruhestand geschickt werden können.
