Was für ein freundlicher Mann! Und so bescheiden. Und so unprofessoral mit seinen Turnschuhen, der einfachen Jeans und der Salz-und-Pfeffer-Strickjacke, die genauso von Sage de Cret wie von Primark sein könnte. Wird so einer, wenn er bei einer Vorlesung über Hölderlin vorn am Katheder steht, von den Studenten überhaupt ernst genommen? Das waren meine ersten, unverschämten Gedanken, als Professor Steffen Martus im Einstein vor mir stand, Einstein Unter den Linden natürlich, bestes und einziges Kaffeehaus der vernarbten Stadt Berlin. Ich hatte ihn schon von Weitem kommen sehen. Ich winkte, er winkte, und er lächelte mir so fröhlich zu, als hätten wir uns hier nicht verabredet, um eine schicksalhafte Meinungsverschiedenheit auszuräumen. Oder zu vertiefen.