Die Schatzkammer ist gar keine Kammer. Kein verborgenes Kabinett mit Spinnweben, Kerzenschein und geheimen Kostbarkeiten und Raritäten. Die sind in der Schatzkammer der Weinkellerei Höchst zwar auch zu finden, aber sie lagern nicht in einem versteckten Kellerraum, sondern auf schlichten braunen Holzregalen: gereifte Trockenbeerenauslesen aus der Pfalz und Rheinhessen, legendäre Rotweine von Mouton Rothschild und Château Margaux, verschiedene Tropfen in Magnumflaschen und einige uralte Armagnac-Flaschen in Holzkisten.
Die Schatzkammer ist Teil des großzügigen Verkaufsraums, der eher einer Halle gleicht und nichts mit den vollgestellten Läden manch anderer Weinhändler zu tun hat. In der Weinkellerei Höchst, die ihr Domizil in einem Gewerbebau an der Bolongarostraße hat, stehen sich die Kunden nicht auf den Füßen. Hier ist viel Platz, im hinteren Teil so viel, dass dort regelmäßig auch Proben, Seminare und andere Veranstaltungen stattfinden können, ohne dass der ganze Laden aus- oder umgeräumt werden müsste.

Die Weinkellerei Höchst ist eine Frankfurter Institution. Mehr als 150 Jahre reicht die Geschichte des Betriebs zurück, der 1869 als Weinkontor der Hoechst AG gegründet wurde. Seit 2021 gehört sie zum nordrhein-westfälischen Familienunternehmen Bührmann Weine, und seit 2022 ist Melih Günsel der Niederlassungsleiter. Seither hat der Betrieb einen erstaunlichen Aufschwung erlebt. Der Verkaufsraum wurde verdoppelt, das Sortiment erweitert und der Onlineshop neu aufgestellt.
Dafür hat die Weinkellerei mittlerweile eine Reihe von Auszeichnungen bekommen, zu Beginn dieses Jahres gleich zwei: Vom Deutschen Weininstitut (DWI) und der Fachzeitschrift „Wein und Markt“ wurde sie als „Bester Weinfachhändler“ geehrt, außerdem wurde ihr der Sonderpreis des „Fair Wine Award 2026“ verliehen, mit dem besonderes Engagement für nachhaltige, umweltschonend erzeugte Weine gewürdigt wird.
Aus diesem Anlass hat die Weinkellerei ihre Reihe mit Sondereditionen fortgesetzt: Nach dem Pfälzer Weingut Philipp Kuhn und mit den beiden Rheingauer Gütern Schloss Vollrads und Georg Müller Stiftung hat nun das Deidesheimer Weingut von Winning einen Wein exklusiv für die Weinkellerei abgefüllt, einen gehaltvollen Chardonnay. Und wie bei allen „Meister“-Editionen zuvor geht auch diesmal vom Verkaufspreis jeweils ein Euro an das Palliativteam Frankfurt.
Wer in der 800 Quadratmeter großen Verkaufshalle einkauft – und das sind zu 80 Prozent Stammkunden –, der hat die Wahl: Inzwischen umfasst das Sortiment der Weinkellerei 2500 Weine, Schaumweine und Spirituosen aus aller Welt, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf deutschen Tropfen liegt. Fast alle 13 Anbaugebiete sind vertreten, unter den Winzern und Weingütern sind zahlreiche bekannte Namen, Niederlassungsleiter Günsel legt aber Wert darauf, dass auch unbekanntere, kleinere Produzenten darunter sind. Ähnlich ist das internationale Angebot gestaltet, neben Klassikern aus Frankreich, Italien, Spanien, Südafrika, Chile und Kalifornien sind auch immer wieder Exoten zu finden, etwa aus Israel, Uruguay oder Georgien.
Bemerkenswert groß ist auch das Angebot an Schaumweinen, und auch hier stehen die deutschen Sekte im Vordergrund. Außerdem im Sortiment sind außer regionaler Feinkost auch etwa 300 Whiskys, 200 Gins und rund 80 Sorten Rum, von denen eine ganze Reihe ebenso wie viele Weine an einer Verkostungsbar probiert werden können. Besondere Erwähnung bei den Auszeichnungen der vergangenen Jahre hat auch immer das „Weintaxi“ bekommen: der Lieferservice für Kunden, wenn sie einmal nicht persönlich an der Bolongarostraße vorbeischauen können.
