Das Team befindet sich seit Monaten in der Transformation. Christian Wück ist angetreten, dem Auftreten der deutschen Fußballfrauen mit personellen Veränderungen eine Zielstrebigkeit zu verleihen, mit der Erfolge, wie sie ehedem üblich waren, wieder realistischer werden.
DFB-Frauen auf dem Weg zur Fußball-WM 2027
Bevor am Dienstag der Ball ins Spiel kam, erhielt die 31 Jahre alte Oberpfälzerin, die eine halbe Autostunde vom Max-Morlock-Stadion entfernt aufwuchs und mittlerweile im Alltag das Trikot von Real Madrid trägt, Blumen vom Verbandspräsidenten Bernd Neuendorf. Das Publikum – insgesamt kamen 24.237 Zuschauer – applaudierte freundlich.
Und das ging so weiter: Denn die Auswahl von Wück verbesserte mit dem 5:1 gegen Österreich die Chancen, im kommenden Jahr bei den Weltmeisterschaften, die dann wiederum in Brasilien stattfinden, nach den Fußballsternen greifen zu können.
Restlos begeistert über die Darbietung war Wück nicht. Er erwarte, dass die Mannschaft an ihre Leistungsgrenze geht; dies sei nicht gelungen. Außerdem sah er „viele einfache Fehler“, sodass ihn in Summe die neunzig Minuten „nicht zufrieden“ machten. „Ein Trainer muss auch mal meckern“, fügte er an.
Dass sein Ensemble ungeachtet mancher Ungenauigkeiten trotz allem vom Anstoß an das Geschehen in die gewünschte Richtung lenkte, machte den Österreicherinnen schwer zu schaffen. Sie waren zumeist in der Rückwärtsbewegung gefordert und verbarrikadierten sich in zwei Viererreihen vor dem eigenen Strafraum.
Deutsches Team nutzt die Chancen nicht gut
Bei den Deutschen war es die Noch-Frankfurterin Elisa Senß, die im Mittelfeld zusammen mit der ehemaligen Frankfurterin Sjoeke Nüsken das Kommando gab. Mit ihrer Laufstärke und der robusten Zweikampfführung erstickte das emsige Duo die wenigen Versuche, bei denen der Gegner engagiert über die Mittellinie vorstieß, frühzeitig; zugleich initiierte es regelmäßig mit Tempo vorgetragene Angriffe, die auf dem rechten Flügel über Kapitänin Giulia Gwinn liefen und auf der Gegenseite von Vivien Endemann beschleunigt wurden.
Dass aus den ganzen Bemühungen zunächst lediglich ein Tor resultierte, gehörte – wieder einmal – zu den Schwächen der Deutschen, deren Effizienz in den Abschlussaktionen auch bei Wück zu wünschen übrig ließ.

Bis zum Pausenpfiff blieb es beim 1:0 durch einen Treffer von Nicole Anyomi. Die Frankfurter Stürmerin drückte den Ball nach einem Eckball von Jule Brand und den anschließenden Versuchen von Rebecca Knaak und Janina Minge aus kurzer Distanz über die Linie (19. Minute). Für die nach einer halben Stunde verletzt ausgeschiedene Münchnerin Gwinn brachte der Bundestrainer die Leverkusenerin Carlotta Wamser als Rechtsverteidigerin.
Gwinn hatte sich bei einem Zusammenprall mit der Österreicherin Melanie Brunnthaler, die in der Bundesliga für den Hamburger SV aufläuft, an der linken Schulter verletzt. Nach einer kurzen Behandlungspause auf dem Rasen ging es für die 26-Jährige nicht weiter.
Rückspiel in WM-Qualifikation am Samstag in Österreich
Ob Gwinn, die kommende Woche mit den Münchnerinnen im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona Großes vorhat, beim unmittelbar folgenden Länderspiel-Wiedersehen mit den Österreicherinnen an diesem Samstag (18.00 Uhr bei sportschau.de) in Ried im Innkreis dabei sein kann, blieb in Nürnberg offen.
Auf Vorlage von Jule Brand legte Endemann nach dem Seitenwechsel das 2:0 (52.) nach, womit die bis dahin phasenweise zu spürende österreichische Widerstandskraft gebrochen war. Nach einer weiteren Brand-Ecke brachte ein Eigentor Sarah Puntigams das 3:0 (68.); Brand ließ das 4:0 folgen (76.).
Dass Chiara D’Angelo für das Team Austria auf 1:4 verkürzte, konnten die Deutschen verschmerzen (77.), wenngleich ihre Körpersprache verdeutlichte, dass sie not amused waren über den Fleck auf der ansonsten weißen Weste. „Das Gegentor war ärgerlich“, bilanzierte Nüsken.
Die eingewechselte Lea Schüller setzte danach mit dem 5:1 (83.) den Schlusspunkt unter die Vorstellung, die nicht in Gänze höchsten Ansprüchen genügte, fürs Erste aber die Ausgangsposition deutlich verbesserte: Der dritte Sieg in der dritten Qualifikationspartie sorgte für die komfortable Führungsposition in der Gruppe A.
