Schon zweimal wäre Hans Erich Nossack fast berühmt geworden. Das erste Mal 1961, als er den Büchner-Preis erhielt, die schon damals wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands. In der Laudatio wurde vor allem Der Untergang gerühmt – ein Roman über die Bombardierung Hamburgs, von Nossack direkt nach dem Luftangriff, also 1943, geschrieben.
Für sein Gefühl – so formulierte es der Laudator Hermann Kasack – habe Nossack mit Der Untergang ein Stück deutscher Prosa geschrieben, das sogar den hohen Vergleich mit Adalbert Stifter aushalte. Noch im selben Jahr erschien der Roman des frischgebackenen Büchnerpreisträgers erstmals als eigenständiges Buch – und zwar in einem alarmistischen Orange als 19. Band der neu gegründeten Regenbogenfarben-Reihe von Suhrkamp. Doch allen Preisen und Lobreden zum Trotz: Niemand wollte den Roman lesen. Die Deutschen hatten einfach keine Lust, auf den Krieg zurückzublicken.
