
Herr Louwen, Sie empfehlen Schwangeren, in den letzten Wochen vor der Geburt auf Industriezucker und Weizen zu verzichten. Warum?
Frauen, die in der Schwangerschaft eine Zuckerkrankheit haben – egal ob Schwangerschaftsdiabetes oder vorbestehender Diabetes – hatten früher häufiger Übertragung, Einleitungen und Kaiserschnitte, weil die Geburt nicht richtig voranging. Heute sehen wir das zum Glück seltener, weil die Blutzuckereinstellung meist besser ist. Aber genau das wirft die Frage auf: Was hat der Blutzucker mit dem Geburtsbeginn zu tun? Ich bin dazu vor Jahren in der molekularbiologischen Literatur auf spannende Befunde gestoßen: Die Bildung von Prostaglandinen – also den Hormonen, die in der frühen Geburtsphase den Gebärmutterhals weich und kürzer machen, den Muttermund öffnen, regelmäßige Wehen unterstützen und auch mit Schmerzen zusammenhängen – ist abhängig vom Blutzuckerspiegel. Vereinfacht: Je höher der Blutzucker, desto weniger Prostaglandine. Das hat uns zu eigenen Untersuchungen im Labor und mit Patientinnen geführt. Daraus ist die Empfehlung entstanden, in den letzten vier Wochen vor der Geburt auf Lebensmittel zu verzichten, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen – vor allem Süßigkeiten und weißes Weizenmehl, weil Weizenmehl rasch Zucker freisetzt.
