
Equal Pay Day
Der Preis der Mutterschaft
27. Februar 2026 · Mit dem ersten Kind beginnt für viele Frauen eine Rechnung, die sie jahrzehntelang bezahlen. Warum hält sich die Lohnlücke in Deutschland so hartnäckig – und was müsste sich ändern?
An diesem Freitag ist Equal Pay Day – er steht symbolisch für die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen. Die ersten 58 Tage des Jahres haben Frauen statistisch gesehen also unbezahlt gearbeitet.
Dem unbereinigten Gender Pay Gap zufolge verdienen Frauen in Deutschland 16 Prozent weniger als Männer. Berücksichtigt man strukturelle Unterschiede – beispielsweise, dass fast jede zweite Frau in Teilzeit arbeitet, der Anteil der Frauen in Führungspositionen seit Jahren unter 30 Prozent stagniert und Frauen häufiger in geringer entlohnten Berufen arbeiten – bleibt eine bereinigte Lohnlücke von sechs Prozent. Das bedeutet: Frauen verdienen sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Arbeitszeiten.
Der Gender Pay Gap schließt sich nur langsam
Unbereinigter GPG
Bereinigter GPG
In Ostdeutschland ist der Gender Pay Gap wesentlich niedriger als im Westen. Auf den ersten Blick scheinen die neuen Bundesländer bei der Geschlechtergerechtigkeit deutlich weiter zu sein. Tatsächlich ist es im Osten schon seit den DDR-Zeiten viel verbreiteter, dass Frauen arbeiten. Allerdings geht damit nicht automatisch einher, dass auch die Haus- und Sorgearbeit gleichberechtigt aufgeteilt wird. Hinzu kommt, dass Männer in Ostdeutschland deutlich weniger verdienen als Männer in Westdeutschland, was die Gehaltslücke zusätzlich verkleinert.
Insgesamt verdienen Männer in Deutschland durchschnittlich gut vier Euro mehr in der Stunde als Frauen. Im Laufe des Arbeitslebens vergrößert sich die Lohnlücke. Während Männer zwischen 30 und 35 Jahren gut zwei Euro mehr in der Stunde verdienen als ihre Kolleginnen, steigt der Abstand in der Altersgruppe zwischen 55 und 65 Jahren auf knapp acht Euro. In der Folge ist mehr als jede fünfte Seniorin von Altersarmut gefährdet. Quantifiziert wird das anhand des Gender Pension Gaps, also der geschlechterspezifischen Rentenlücke. Demnach liegt das durchschnittliche Alterseinkommen von Frauen 36 Prozent unter dem der Männer – das sind gut 10.000 Euro weniger im Jahr.
„Die einen würden sagen: Das ist ja frei gewählt, in Teilzeit zu arbeiten und keine Führungsrolle anzustreben. Aber all das muss man immer eingebettet in die Rahmenbedingungen sehen“, sagt Corinna Frodermann. Sie forscht am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu Sorge- und Erwerbsarbeit. „Vieles hängt zusammen, angefangen mit der ungleichen Entlohnung von Berufen. Dazu kommen individuelle und gesellschaftliche Rollenbilder und eine geringe Wertschätzung von Sorgearbeit.“ Kinderlose Männer und Frauen seien sich auf dem Arbeitsmarkt in Erwerbsbeteiligung und Arbeitsumfang noch relativ ähnlich. Sobald Kinder im Spiel sind, bildeten sich jedoch Unterschiede.
Doch woran liegt das genau? Hier sind fünf zentrale Gründe, warum sich die Lohnlücke in Deutschland so hartnäckig hält.
