Wirtschaftsverbände und Vertreter der Automobilindustrie kritisieren Donald Trumps überraschende Ankündigung zur Erhöhung der Zölle auf Autos und Lkw aus der EU. »Die Ankündigungen des
US-Präsidenten, die Zölle auf Lkws und Autos, die aus der EU in
die USA eingeführt werden, auf 25 Prozent zu erhöhen, sind eine
erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen
Beziehungen«, teilte die Präsidentin des Verbands der
Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, mit.
Die Kosten durch zusätzliche Zölle wären für die
deutsche sowie europäische Automobilindustrie in ohnehin sehr
herausfordernden Zeiten enorm, so Mülle weiter. Das zwischen den USA und der EU vereinbarte
Handelsabkommen müsse von beiden Seiten eingehalten werden. »Das
bedeutet daher auch, dass die EU ihren Teil der bereits im
letzten Sommer getroffenen Abmachungen nun endlich umsetzen
muss«, so Müller. Die Autoindustrie rufe beide Seiten dringend
zur Deeskalation und zu zügigen Gesprächen auf.
Trump hatte zuvor angekündigt, die aus der Europäischen
Union in die USA eingeführten Autos und Lkw ab kommender Woche
mit einem Zoll von 25 Prozent belegen zu wollen. Die EU und die USA hatten im September 2025 ein umfassendes
Handelsabkommen für zahlreiche Bereiche geschlossen. Damit
sollte auch eine rückwirkende Senkung der Zölle für
EU-Autoexporte in die USA auf 15 Prozent von zuvor 27,5 Prozent
einhergehen.
Rechtsgrundlage für Trumps Zollerhöhung unklar
Das Europäische Parlament gab im März bekannt,
die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen
knüpfen zu wollen. Nach Angaben des Vorsitzenden des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd
Lange, werde die EU die entsprechende
Gesetzgebung voraussichtlich im Juni abschließen. Lange nannte Trumps Verhalten »inakzeptabel«. Dieser jüngste Schritt
zeige, wie unzuverlässig die US-Seite sei.
Der deutsche
Außenhandelsverband BGA kritisiert die Ankündigung des US-Präsidenten ebenfalls.
»Einseitige Zolldrohungen untergraben Vertrauen und belasten den
transatlantischen Handel erheblich«, sagte der Präsident des
Bundesverbandes Bundesverband Großhandel, Außenhandel,
Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, der
Nachrichtenagentur Reuters.
Völlig unklar sei zudem, auf welcher
rechtlichen Basis Trump die angekündigte Zollerhöhung umsetzen
wolle. Umso wichtiger seien künftig durchsetzbare
Schutzklauseln, die Verlässlichkeit schafften und schnelles
Handeln ermöglichten. »Europa muss kooperationsbereit bleiben,
aber seine Interessen konsequent verteidigen«, sagte der BGA-Präsident.
DIW fordert EU zu harter Reaktion auf
Für den Ökonomen Marcel
Fratzscher kommt die erneute Eskalation im Handelskonflikt mit
den USA durch die Zolldrohungen von Präsident Donald Trump nicht
überraschend. »Denn Präsident Trump nutzt Deutschlands und
Europas stetiges Nachgeben als Schwäche aus«, sagte der
Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur Reuters. »Es rächt sich nun
erneut, dass die Europäische Union und auch die Bundesregierung
im Konflikt mit Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren
lassen haben.«
Obwohl die US-Gerichte Trumps Zölle als unrechtmäßig
eingestuft hätten, versuche er, auf Kosten Europas und
insbesondere der deutschen Autohersteller innenpolitisch in den
USA wieder an Popularität zu gewinnen. »Die Bundesregierung und
die Europäische Kommission müssen nun endlich Rückgrat zeigen
und Trump Paroli bieten«, forderte der Ökonom. »Nur so werden
sie eine stetige Eskalation verhindern können.«
