Beim letzten Mal hätte er seine Wahl beinahe abgelehnt. Obwohl sie ihn in Deutschland als Bischof wollten, und obwohl Papst Franziskus das ausdrücklich befürwortete. Heiner Wilmer aber hatte die Traute, seinem Chef einen Brief zu schreiben, in dem er erklärte, dass er lieber bliebe, was er damals gerade war, nämlich Ordensoberer der Herz-Jesu-Priester. Er hadere mit der Entscheidung, ob er das neue Amt annehmen solle. Was der Heilige Vater rate?
So höflich, ja botmäßig die Frage klingt, sie war ziemlich selbstbewusst, man könnte auch sagen: ein Affront. Es hatten ja zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Hildesheimer Domkapitulare Wilmer gewählt, nicht nur hatte Niedersachsens Ministerpräsident zugestimmt, sondern der Vatikan hatte das Ganze zweimal abgesegnet, mit finalem Ja vom Stellvertreter Christi auf Erden. Der wollte offenbar einen frischen Mann in Deutschland, weil die Lage dort verfahren war. Ein echtes Wagnis, dass Wilmer diese Beförderung anzweifelte: Ich und Bischof, ausgerechnet jetzt, muss das sein?
