
Er war Deutschlands erster „freier Autor“ und einer der größten Dramatiker aller Zeiten: Friedrich Schiller
Der Grad an Popularität, den Friedrich Schiller bei seinen Zeitgenossen besaß, lässt sich mit heutigen Maßstäben kaum mehr erfassen. Wie ein höheres Wesen wurde der Dichter verehrt. Als er etwa nach der Leipziger Uraufführung der „Jungfrau von Orleans“ (1801) das Theater verließ, empfing ihn eine riesige Menschenmenge, man öffnete eine Gasse, die Männer entblößten ihre Häupter, und Väter hoben ihre Kinder empor mit den Worten: „Der da ist es!“
Eigentlich sollte der junge Schiller zum Militärarzt ausgebildet werden – und zwar auf der Stuttgarter Karlsschule, einer Art Kadettenanstalt Karl Eugens von Württemberg, wo unter anderem das Versemachen unerwünscht war. Als 22-Jähriger schmiss Schiller die Schule und floh aus dem Machtbereich des Herzogs.
So wurde der gebürtige Marbacher zum ersten deutschen Erwerbsschriftsteller, der so gut wie ausschließlich von seinen literarischen und journalistischen Arbeiten lebte. Jahrelang plagten ihn Schulden, aber zur Zeit seiner Übersiedelung nach Weimar, wo die berühmte und immens fruchtbare Freundschaft mit Goethe entstand, war der inzwischen führende Dramatiker seines Sprachraums ein wohlhabender Mann.
Mit seinen historischen Schriften begründete Schiller hierzulande eine neue Gattung: die literarische, sich an ein großes Publikum richtende Geschichtsschreibung. Er verfasste den ersten deutschen Fortsetzungsroman („Der Geisterseher“) und führte den ersten Indianer, einen Sioux übrigens, in die deutsche Literatur ein („Nadowessiers Totenlied“). Neu in der Literaturgeschichte war übrigens auch, dass ein Autor weit über ein Jahr lang zwei Schwestern parallel angräbt. Schiller heiratete schließlich Charlotte von Lengefeld, die jüngere der beiden.
Schillers Schaffen teilt sich in drei Perioden: die Jugenddramen („Die Räuber“ bis „Don Karlos“), eine 1787 beginnende zehnjährige Pause als Theaterautor, gefüllt vor allem mit dem Studium der Philosophie Kants sowie der Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, sodann die reifen Dramen vom grandios-düsteren „Wallenstein“ bis zum „Demetrius“-Fragment. In der mittleren Phase entstanden seine historischen und die meisten seiner theoretischen Schriften.
Zeitlebens kränklich, starb Schiller am 9. Mai 1805 im Alter von 45 Jahren. Der Obduktionsbefund war grauenhaft; fast alle inneren Organe befanden sich im Zustand der Zersetzung. Man müsse sich wundern, schloss der ärztliche Bericht, „wie der arme Mann so lange hat leben können“. In „Wallensteins Tod“ hatte der Dichter die Antwort gegeben: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut.“
