
Die zwei Minen, durch die in der Demilitarisierten Zone am 21. September drei südkoreanische Soldaten verletzt wurden, stammen aus Nordkorea. Das bestätigte der südkoreanische Verteidigungsminister Kang Shin-chul am Dienstag bei einer Anhörung im Verteidigungsausschuss in Seoul. „Es sieht nicht danach aus, dass sie verdriftet ist“, sagte Kang.
Zu klären sei noch, wann Nordkorea die Minen verlegt hat, etwa ob sie von nordkoreanischen Verminungsarbeiten im Jahr 2025 stammen oder älter sind. Auch eine mögliche Absicht wird noch untersucht. Schon klar sei laut Kang indes, dass die Verletzung des Waffenstillstandsabkommens eindeutig sei, „dementsprechend werden wir die notwendigen Vorkehrungen schrittweise voranbringen“.
Schon 2015 wurden Soldaten durch nordkoreanische Minen verletzt
Damit legte Kang nahe, dass es nicht zu einer unmittelbaren militärischen Reaktion Südkoreas kommt. So sei weiter zu klären, ob Nordkorea die Minen in dem Wissen verlegt hatte, dass südkoreanische Truppen das Gebiet betreten und so zu Schaden kommen könnten.
Der Generalstab in Seoul teilte derweil mit, dass bei einer gemeinsam mit dem UN-Kommando durchgeführten Untersuchung eine weitere nordkoreanische Antipersonenmine aus Kunststoff in der Nähe des Explosionsortes der vergangenen Woche entdeckt worden sei. Insgesamt hätten sich zu diesem Zeitpunkt mindestens vier nordkoreanische Landminen an der Stelle befunden.
Der Vorfall weckt Erinnerungen an das Jahr 2015, als in dem Gebiet ebenfalls südkoreanische Soldaten durch nordkoreanische Minen verletzt wurden. Damals ließ die südkoreanische Regierung die Lautsprecherdurchsagen und Informationen über westliches Leben an die nordkoreanische Bevölkerung über die Demilitarisierte Zone hinweg wieder aufnehmen. Das wiederum führte zu einer militärischen Gegenreaktion Nordkoreas. Konservative Medien in Südkorea forderten am Dienstag abermals die Wiederaufnahme der Lautsprecher-Operationen, die Präsident Lee Jae-myung nach Amtsantritt vergangenes Jahr ausgesetzt hatte.
Nordkorea zeigt bislang keine Reaktion
Für Lee kommt der jüngste Vorfall somit auch für die eigene Nordkoreapolitik zu einem schlechten Zeitpunkt. Lee hat zuletzt immer wieder versucht, mit Pjöngjang ins Gespräch zu kommen. So brachte Lee vor wenigen Tagen eine Art Tauschhandel ins Gespräch. Demzufolge könne Amerika Sanktionen gegen Nordkorea aufheben und Nordkorea im Gegenzug das Atomwaffenprogramm nicht wie bisher gefordert aufgeben, sondern dessen weiteren Ausbau zunächst lediglich „einfrieren“.
Nordkorea hat darauf nicht reagiert, auch zum Minenvorfall hat Pjöngjang bislang nicht öffentlich Stellung bezogen. Stattdessen setzt Nordkorea offenbar weiter auf Abschottung von Südkorea, während es seine Beziehungen zu Russland und China verstärkt. Dass sich in der Zeit der Abschottung vom Süden die Allianz mit Russland und nun auch China vertieft hat, könnte das Regime als Bestätigung seiner Südkoreapolitik sehen.
Schon Ende 2023 hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un die beiden koreanischen Länder als „zwei verfeindete Staaten“ bezeichnet, was einen harten Bruch mit der bis dahin verfolgten offiziellen Politik des Regimes darstellte, das zuvor eine Wiedervereinigung unter dem eigenen System verfolgt hatte. Pjöngjang ließ Monumente zur Wiedervereinigung zerstören und entsprechende Straßennamen verändern.
Zudem sprengten nordkoreanische Soldaten alte Straßenverbindungen Richtung Südkorea, rodeten Bäume im Bereich der Waffenstillstandslinie, spannten weitere Zäune und verlegten neue Minen. Verteidigungsminister Kang erklärte am Dienstag nun, dass Nordkorea die später explodierten Minen bei Grenzbefestigungs-Arbeiten vergraben habe. „Wir müssen noch feststellen, ob die Minen im September 2025 vom nordkoreanischen Militär gelegt wurden oder in Minenfeldern gelegt wurden, die seit 1969 bestehen“, sagte Kang.
Seit dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 herrscht bis heute ein Waffenstillstand ohne Friedensvertrag. Die von UN-Beobachtern überwachte vier Kilometer breite und 241 Kilometer lange sogenannte Demilitarisierte Zone trennt beide Koreas am 38. Breitengrad. Entlang der damaligen Frontlinie in der Mitte verläuft die Militärische Demarkationslinie, von der aus beide Seiten ihre Truppen jeweils zwei Kilometer zurückziehen sollten, in dieses Gebiet hinein aber jeweils Zugang haben.
Wo genau die nordkoreanischen Soldaten innerhalb der Demilitarisierten Zone nun die Militärische Demarkationslinie vor einiger Zeit überschritten und südlich davon Minen verlegt haben könnten, veröffentlichte Südkoreas Generalstab zunächst nicht. Doch seien die Minen rund zehn Meter südlich der Militärischen Demarkationslinie explodiert.
