Wo es gefühlt in der ganzen Volkswagensippe knatscht, scheinen doch zwei Familienmitglieder fröhlich zu gedeihen. Die wilden Cupras in Barcelona und die braven Škodas in Mlada Boleslav, wobei sich ja nicht immer so genau hinter die Haustüren schauen lässt. Immerhin dringt nun die Botschaft nach draußen, der neue elektrische VW Polo laufe arg vielversprechend an. Ein Glück kommt selten allein, die Geschwister heißen Cupra Raval, Audi A2 und Škoda Epiq. Den tschechischen Stromtechnikern ist derweil Zuwachs am unteren Ende nicht genug, sie packen gleichzeitig oben etwas drauf und stellen dem benzingetriebenen Kodiaq eine Elektroversion zur Seite, die Peaq heißt, was sich rein zufällig wie Spitze spricht. Škodas Konfigurator wirkt nun ein wenig unübersichtlich, nennen wir das Angebot positiv formuliert vielseitig.
Treten jetzt zwei Neue an, die das Gleiche tun, nur mit gehörigem Größenabstand, nämlich 4,17 zu 4,87 Meter Länge? Jein. Der Epiq hat gescheite Türgriffe, der Peaq versenkte, das nennen wir konsequent. Im Epiq ist der Bildschirm hinterm Lenkrad ein Bildschirmchen, im Peaq sieht die Sache edler aus. Im Epiq steht der zentrale Bildschirm quer, im Peaq hochkant. Aber wohl mit einer Drehfunktion vorbereitet, die bald nutzbar sein könnte. Beide wiederum sind innen solide verarbeitet und anspruchsgerecht angerichtet, beide schauen am Heck aus wie Volvo oder Range Rover, wo bekanntlich Könner ihres Designfachs am Werk sind. Wir waren mit beiden einige Stunden unterwegs und sind angetan, vor allem vom kleinen Epiq.

Er fährt mit seinem Frontantrieb brav und unaufgeregt, zieht zügig los, legt sich in Kurven nicht schnappatmig ins Zeug, was die Kundschaft goutieren dürfte. Leider ist trotz 115 bis 211 PS stets um 150 oder 160 km/h Schluss. Das Lenkrad wirkt zu groß. Die Sitze sind konturarm, aber nicht unbequem, man kann mit solch einem Auto der Polo-Klasse ohne Physiotherapie gen Horizont aufbrechen. Unser Durchschnittsverbrauch nach einer gemütlichen Tour lag um 14 kWh, zu addieren für das Konto wäre der Ladeverlust, das ist ein hübscher Wert und Beweis, dass der Fortschritt immer weiter fortschreitet. Als Normreichweiten werden je nach Akkugröße 310 bis 440 Kilometer angegeben. Schnellladen gelingt mit 50, 90 oder 105 kW, also eher Gähnladen. Ist halt von der Idee her ein Stadtwagen.
Das Platzangebot ist prima, eine Art Frunk gibt es gegen Aufpreis. Am Deckel des Kofferraums hängt jene unerotische Gummilippe herab, die Škoda offenbar vor einigen Jahren aus Versehen in einer Zehnerpotenz zu viel bestellt hat und deswegen verbaut, bis das Lager leer ist. Alles an dem Auto wirkt pragmatisch, es gibt auch einige gute Drucktasten. Allein die Lautstärke des Radios regelt der Beifahrer über den als Murks anerkannten Slider, im Lenkrad ist dafür eine feine Walze zuständig.

Wo andernorts die Nervarmada aus Bimmeln und Rütteln mit einem Tastendruck in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden kann, fordert Škoda unnötige Fingertipps, die sogleich zur Ermahnung des Aufmerksamkeitsaufpassers führen. Wer alles anlässt, wird zumindest mit leisen Tönen und sanftem Gegenlenken daran erinnert, dass der Führerschein nicht mehr reicht für Vertrauen. Die Lenkung ist solide, das Gefühl auf dem Bremspedal ohne Pudding. Hinten sind Scheibenbremsen verbaut, das ist nicht selbstverständlich. Das Fahrwerk schluckt viel, und so entsteht ein Gesamteindruck, den die meisten Konkurrenten nicht hinbekommen.
Der Epiq ist einen Hauch länger als der VW Polo. Er ist pragmatischer als der schicke VW ID Cross. Er ist introvertierter als der Cupra Raval. Er ist alltäglicher als der Audi A2. VW scheint eine Kleinfamilie aufgebaut zu haben, die gekonnt für jeden Geschmack etwas bietet. Škoda schickt den Epiq ab 25.900 Euro ins Rennen, es ist allerdings keine Kunst, 40.000 Euro auszugeben. So oder so, Konkurrenten wie Fiat Grande Panda, Kia EV2, Renault 4 oder Citroën ë-C3 werden sich wärmer anziehen müssen.

Derweil probt der Peaq den staatsmännischen Auftritt. Die Felgen anders, den Schriftzug Škoda auch an der C Säule, strebt er gen Selbstbewusstsein. Er passt insofern zur tschechischen Respektlosigkeit, die wie Asterix unseren Beifall findet, wenn sie mit einem Augenzwinkern angerührt wird. Im Jahr 2022 hat Škoda die Studie zum Peaq ohne Freigabe des Mutterkonzerns aus Wolfsburg der Presse gezeigt, und siehe da, ob des Beifalls gab es kein Zurück mehr. Nun steht er da, groß und variabel und die Frage stellend, wofür es noch den plötzlich betagt wirkenden Enyaq braucht.
Der Peaq bewegt sich behaglich, gleichwohl etwas schwerfällig, und er stuckert manchmal an der Vorderachse, vielleicht lag das am Vorserienstand. So wie der zeitweise streikende Bildschirm, zickige Software ist ein Begleiter aller neuen Autos. Bis zu sieben Sitze laden ein auf die weite Fahrt. Das Relax-Paket beschert gar einen Ruhesitz und Fußstütze. Das Glasdach glast ohne Rollo, es ist stattdessen segmentweise milchig zu stellen, was meist gut funktioniert, nicht aber bei senkrecht einströmender Sonne. Große 299 bis übergroße 1010 Liter nimmt der Kofferraum auf. Zudem gibt es vorne einen Frunk.

Das mit etwas spröden Ziffern anzeigende Head-up-Display erkennen unsere Augen unscharf, es steht offenbar nicht perfekt im Raum. Die Ziffern im Tacho sind klar, aber auch ohne Sexappeal. Der Tempowarner klingelt leise, der Spurhalteaufpasser rüttelt selten, manchmal jedoch unnötig, der Aufmerksamkeitsmahner ist definitiv zu nervös. Zur Verfügung stehen Heck- oder Allradantrieb, die Nomreichweiten betragen 450 bis 640 Kilometer, das Leistungsspektrum umfasst 204 bis 299 PS. Abgeregelt wird bei 160 respektive 180 km/h. Die Plattform heißt MEB+, mit 400 Volt Systemspannung, was technisch halb spitze ist, kostenseitig aber vernünftig klingt. Hier sind immerhin 160 oder 199 kW Ladeleistung drin. Unser erster Testverbrauch: 17 kWh zuzüglich Ladeverlust. Wer viel Elektroauto fürs Geld sucht, könnte je nach Version zwischen 50.000 und 60.000 Euro Basistarif fündig werden.
Wer erinnert sich noch an die legendäre Rateshow Dalli Dalli? Hans Rosenthal würde in die Luft springen und mit dem Publikum rufen: Das ist Spitze! Wobei wir, so wir zwischen den beiden jungen Škodas entscheiden müssten, den Peaq als ordentliches Mittelgebirge sehen würden und im Epiq einen Epeaq.
