Kein Auswärtssieg-Umtrunk. Kein Feierabendbier. Für die aktuelle Woche hat Frank Steinmetz seinen Spielern „ein absolutes Alkoholverbot“ ausgesprochen. Als streng würde sich der 56-Jährige aber nicht bezeichnen. Er weiß nur, was auf dem Spiel steht.
Steinmetz trägt beim SV Wehen Wiesbaden als Interimstrainer derzeit die Verantwortung. Übergangsweise, mal wieder. Am Montag hatte er erfahren, dass Cheftrainer Daniel Scherning „leider gehen musste“. Am Mittwoch sollte dann er, der bisherige Assistent, mit seinem Team für die nötigen Punkte sorgen.
Es gelang. Die Mannschaft gewann mit 2:0 bei Fortuna Köln. Der erste Saisonsieg für den selbsternannten Aufstiegsanwärter, der nach fünf Spieltagen auf den letzten Tabellenplatz der 3. Liga abgerutscht war. Allgemeines Aufatmen. Kein Grund für eine große Party.
„Ich war immer die Konstante“
Nachts um eins kam das Team nach der Rückfahrt aus Köln wieder in Wiesbaden an. Morgens um neun befand sich Steinmetz schon auf dem Weg zum Halberg, dem Trainingsplatz der Wehener in Taunusstein. Für den Donnerstag hatte er Regenerationstraining angesetzt. Am Sonntag (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 3. Liga) steht das schwere Heimspiel in der Brita-Arena gegen Tabellenführer MSV Duisburg an. Sollte auch das erfolgreich laufen, kann immer noch gefeiert werden. Ein bisschen zumindest.
Der im Rheingau geborene und auch dort wohnende Steinmetz heuerte schon vor zwanzig Jahren zum ersten Mal als Ko-Trainer beim SV Wehen Wiesbaden an. Zudem arbeitete der diplomierte Sportlehrer in einer Wiesbadener Reha-Klinik. Später setzte er beruflich voll auf den Fußball. An der Seite von Dirk Schuster trainierte Steinmetz Darmstadt 98, den FC Augsburg und Erzgebirge Aue. Beim 1. FC Nürnberg gehörte der stets loyale Sportsmann vier Jahre lang zum Trainerstab, erlebte fünf Chefcoaches. „Ich war immer die Konstante.“
Über seine Rolle als Ko-Trainer versichert der ehemalige Landesligaspieler glaubhaft, er sei damit „echt zufrieden“. Für die Augen der Öffentlichkeit stehe er zwar nur am Rande, aber auf dem Trainingsplatz und bei der Spielanalyse übernehme er häufig die Verantwortung.
Keine Ambitionen auf Cheftrainerposten
Neben der Fußball-fachlichen Arbeit legt Steinmetz Wert darauf, eine menschliche Ebene zu schaffen. Der „Draht zu den Spielern“ sei gut, schätzt er seine persönliche Wirkung ein. „Und ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich immer die Wahrheit sagen kann.“ Respektvoll, aber ehrlich. „Ich glaube, das hilft.“ Die Spieler honorieren es.

Steinmetz arbeitete mit Dutzenden Trainern, konnte von vielen etwas mitnehmen. Von Persönlichkeiten wie Dieter Hecking und vor allem Wolfgang Frank hat er sich inspirieren lassen – und mit der Zeit „meinen eigenen Stil gefunden“.
Ambitionen auf einen dauerhaften Cheftrainerposten hegt er nicht. „Ich könnte das auch“, sagt er selbstbewusst – strebe es aber nicht an. In Wiesbaden ist vereinbart, dass er so lang die Verantwortung trage, „bis die Geschäftsführung einen neuen Trainer gefunden hat“. Was danach passiere, werde man sehen. „Ich habe mir abgewöhnt, Gedanken über Dinge zu machen, die ich nicht beeinflussen kann.“
Seine Bilanz als verantwortlicher Mann kann sich sehen lassen. Vier Spiele hat er in zwei Episoden bislang für den SV Wehen Wiesbaden als Interimstrainer absolviert, drei davon gewonnen. 2,25 Punkte pro Spiel – ein Spitzenwert. Beim „Club“ war er einmal verantwortlich, auch diese Partie ging nicht verloren. Zum Vergleich: Der bisherige Wehen-Coach Scherning holte saisonübergreifend aus den vergangenen 15 Partien einen Schnitt von etwas mehr als 0,5.
Während der Länderspielpause wollen die Wiesbadener einen neuen Cheftrainer verpflichten. Frank Steinmetz wird es nicht sein. Er geht aber davon aus, „dass der Verein weiß, was er an mir hat – und dass ich dabei bleibe“.
