Die Bundesregierung verstärkt ihre Werbung für den Standort Deutschland. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im kommenden Januar will sie ein Deutsches Haus einrichten. Entsprechende Informationen der F.A.S. hat eine Sprecherin von Digitalminister Karsten Wildberger bestätigt. Wildberger treibt das Haus gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) voran.
Am Rand des offiziellen Weltwirtschaftsforums entwickelt sich Davos jeden Januar zu einer regelrechten Messestadt. Vor allem auf einer langen Straße namens „Promenade“ wird ein Haus neben dem anderen zur Präsentationsfläche für einzelne Unternehmen, aber auch für manchen indischen Bundesstaat – und das auf einer Länge von mehr als 1000 Metern. Diese Messe hat viel mehr Besucher als das Forum selbst. Während an der offiziellen Veranstaltung knapp 3000 Menschen teilnehmen, sind in der ganzen Stadt in jener Woche rund 30.000 Besucher unterwegs.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die prominenteste Präsenz aus Deutschland hatte in den vergangenen Jahren oft der Softwarekonzern SAP, der als Kunden andere Unternehmen hat, für den sich ein gutes Image unter Unternehmenslenkern also besonders lohnt. Außerdem hat der Berliner KI-Unternehmer Rasmus Rothe ein sogenanntes „KI-Haus“ auf die Beine gestellt.

Im vergangenen Januar haben die USA für Aufsehen gesorgt, als sie einen allgemein recht breitbeinigen Auftritt auf dem Forum damit verbanden, dass sie besonders nah am Kongresszentrum eine Kirche mieteten und zur Werbung für ihren Standort nutzten. Die „Financial Times“ berichtete, Unternehmen seien dafür als Sponsoren angeworben worden, und zwar für Beträge bis zu einer Million Dollar.
Bald nach der Veranstaltung warnte der Gründer des Forums, Klaus Schwab, laut einem F.A.Z.-Bericht vor einer Amerikanisierung der Veranstaltung. Er selbst war 2026 zum ersten Mal nicht mehr dabei. Im Frühling 2025 hatte er sein Amt an der Spitze des Stiftungsrates niedergelegt, nachdem ihm Spesenbetrug und Fehlverhalten gegenüber Mitarbeitern vorgeworfen worden waren – später resümierte der Stiftungsrat nach einer Untersuchung, es gebe „keine Anzeichen für schwerwiegendes Fehlverhalten“.
Übergangsweise haben seine Aufgaben der Roche-Erbe André Hoffmann und der Chef des amerikanischen Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, übernommen. Besonders Fink demonstrierte beim letzten großen Treffen in Davos, wie viele amerikanische Unternehmer und Politiker er anlocken konnte, bis hin zu einem persönlichen Besuch von Donald Trump.
Inzwischen ist auch der Chef der ständigen Organisation des Forums, Børge Brende, wegen Kontakten zum amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurückgetreten. Jetzt richtet sich die Frage darauf, wer den Stiftungsrat dauerhaft führen wird. Immer wieder wird spekuliert, ob EZB-Chefin Christine Lagarde die Aufgabe übernimmt. Von ihr ist nicht klar, ob sie ihre Amtszeit in der Europäischen Zentralbank bis Oktober 2027 wirklich ausfüllen wird.

Im kommenden Januar nun wird Deutschland also präsenter sein. In dem Haus „bündeln wir den deutschen Auftritt und präsentieren Deutschland gegenüber internationalen Entscheidern als attraktiven Investitionsstandort, starken Wirtschafts- und Technologiestandort und verlässlichen Partner“, heißt es aus dem Digitalministerium. Auch die anderen Ministerien seien eingeladen, sich einzubringen. Stattfinden könnten dort öffentliche Diskussionen, aber auch vertrauliche Gespräche, zudem Vereinbarungen über Partnerschaften und Investitionen.
Ein Mietvertrag soll schon unterschrieben sein, auf der Promenade, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kongresszentrum, wo der offizielle Teil des Forums stattfindet – viel prominenter könnte der Platz für dieses Deutsche Haus demnach nicht sein.
