Wehe dem, der in diesen Tagen ein neues Elektrogerät braucht: Wer sich in jüngster Zeit auf dem Markt für Handys, Laptops oder Spielekonsolen umschaut, vielleicht gewöhnt an den Preisverfall vergangener Jahre, der dürfte sein blaues Wunder erleben. Bestes Beispiel: Apple. Am Mittwoch hat der amerikanische Techkonzern neue iPhones vorgestellt. Ein Basismodell für unter 1000 Euro wie im vergangenen Jahr das iPhone 17 gibt es in diesem Jahr vorerst überhaupt nicht, das günstigste Modell ist das iPhone 18 Pro für mindestens 1449 Euro. Das sind 150 Euro mehr als das Vorjahresmodell, das iPhone 17 Pro. Und auch die alten Modelle, die Apple noch im Angebot hat, sind nicht wie sonst billiger, sondern 150 Euro teurer geworden.
Die Preise für Macbooks und iPads sind schon im Sommer deutlich gestiegen. Und der Trend trifft nicht nur das Unternehmen aus Cupertino, sondern die gesamte Elektronikwelt: Die Spielekonsole Nintendo Switch 2 kostet seit Anfang September 30 Euro mehr, eine Playstation 5 schon seit dem Frühjahr 100 Euro mehr. Schuld ist der rapide Preisanstieg der Speicherchips, die in jedem dieser Geräte stecken, angetrieben von der boomenden Nachfrage durch die Künstliche Intelligenz.
Doch was den Käufer schreckt, kann für manchen Verkäufer zum lohnenden Geschäft werden. Gerade jetzt empfiehlt es sich, noch einmal auf dem Dachboden oder in der Schublade nachzusehen, ob noch irgendwo ausgemusterte Geräte herumliegen. So lukrativ wie heute war der Verkauf alter Elektrogeräte lange nicht.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die Nachfrage nach gebrauchter Elektroware sei stark gestiegen, bestätigt Philipp Gattner, der Chef der Onlineplattform Rebuy, die alte Elektrogeräte an- und verkauft. „Die steigende Nachfrage führt dazu, dass wir mehr Angebot schaffen müssen – und deshalb die Ankaufspreise steigen.“
Dreiklassengesellschaft im Handymarkt
Die Ankaufspreise seien insgesamt um etwa fünf Prozent gestiegen, sagt Gattner. Doch damit dürfte noch nicht Schluss sein. Denn der Preisanstieg ist vor allem getrieben von Macbooks und iPads, wo neue Geräte bereits teurer geworden sind. „Wir gehen davon aus, dass die höheren Preise für iPhones entsprechend in den Sekundärmarkt weitergereicht werden und wir dann nicht mehr über fünf Prozent Steigerung sprechen, sondern sukzessive auch mehr“, sagt Gattner.
Dabei zeigt sich, dass vor allem Geräte von Apple ihren Weiterverkaufswert über die Zeit gut halten. Es gebe auf dem Secondhandmarkt eine Art „Dreiklassengesellschaft“, sagt Philipp Gattner. In der obersten Klasse stehe unangefochten Apple. Dahinter folgt Samsung, dessen Geräte sich heute deutlich besser auf dem Zweitmarkt verkaufen lassen als noch vor einigen Jahren. „Und dann klafft erst mal eine große Lücke“, sagt er. Alle anderen Marken könnten in Sachen Nachfrage und Preisstabilität nicht mithalten.
Auch schon recht alte Geräte bringen dabei in der heutigen Marktlage noch Geld ein. Das älteste iPhone, das Rebuy derzeit noch ankauft, ist das sieben Jahre alte iPhone 11. Dafür gebe es als Ankaufspreis noch 100 bis 200 Euro. Dabei helfen nicht nur die aktuellen Speicherpreise, sondern auch die Tatsache, dass sich der Markt insgesamt verändert hat: Der jährliche Fortschritt gerade im Smartphonemarkt ist inkrementeller als früher, auch ein in die Jahre gekommenes Gerät ist noch kein Elektroschrott.
Kratzer vorn sind schlechter als hinten
Wichtig für den Verkaufswert ist neben der generellen Funktionalität auch der optische Zustand der Geräte. Unterschieden wird etwa zwischen Kratzern auf der Rückseite, wo sie weniger stören, und auf dem Display. Der Verkaufspreis, den Rebuy verlangt, liege je nach Zustand zwischen zehn und 40 Prozent unter dem Neupreis, sagt Gattner. Inzwischen repariert das Unternehmen auch selbst Handys, also ist auch ein defektes Gerät kein Ausschlusskriterium. Aber natürlich fällt dann auch der Ankaufspreis niedriger aus.
Wer sein Handy an Anbieter wie Rebuy verkauft, muss akzeptieren, dass das Unternehmen eine Marge zwischen An- und Verkaufspreis einbehält. Das ist schließlich deren Geschäftsmodell. Es ist ein Abwägen zwischen Komfort und Verkaufserlös. Gleichzeitig liegt nahe, dass Rebuy höhere Preise erzielen kann, wenn es die Handys qualitätsgeprüft weiterverkauft, als es Privatleute könnten.
Die Alternative wäre, den Verkauf selbst in die Hand zu nehmen, auf Plattformen wie Ebay, zunehmend auch Vinted, oder Kleinanzeigen. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Apple iPhone 16 Pro Max mit 256 GB lag auf Ebay in den letzten zwölf Monaten nach Informationen des Unternehmens bei 877 Euro, der eines Samsung Galaxy S25 Ultra mit 256 GB bei 766 Euro und eines Google Pixel 8 Pro mit 256 GB bei 436 Euro. Auch hier zeigt sich also die Dreiklassengesellschaft.
„Auf jeden Fall alle Daten löschen“
Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt generell, gut aufzupassen, welche Regeln auf den jeweiligen Verkaufsplattformen gelten, zum Beispiel was Versandkosten und -fristen betrifft. Die Plattformen haben Definitionen dafür, was als „wie neu“ oder „sehr gut“ erhalten gilt. Erfüllt das Produkt diese Anforderungen nicht, behält sich etwa Rebuy vor, weniger Geld zu bezahlen oder den Kauf ganz abzulehnen. Was dann mit dem Gerät geschieht, sollte man vorher in Erfahrung bringen. „Ich würde auf jeden Fall empfehlen, alle Daten zu löschen und das Gerät in den Werkszustand zurückzuversetzen“, sagt Preywisch. Das klinge vielleicht selbstverständlich, geschehe aber viel zu oft dann doch nicht. Außerdem rät die Verbraucherschützerin dazu, den Zustand der Produkte vor dem Versand selbst mit Fotos und Videos zu dokumentieren. So hat man im Streitfall bessere Argumente auf seiner Seite.
Bei der Auswahl eines vertrauenswürdigen Onlinehändlers helfen die Bewertungen anderer Nutzer. Wer sein Gerät lieber selbst direkt verkauft, sollte zudem darauf achten, dass nur Bezahlmethoden mit Käufer- und Verkäuferschutz verwendet werden, etwa die gewerbliche Option bei Paypal anstatt der Option „Freunde & Familie“. Und auch wenn bei Privatverkäufen die Gewährleistung ausgeschlossen werden kann: Verkäufer sollten die Geräte wahrheitsgemäß beschreiben, allein schon um sich im Nachgang Ärger zu ersparen.
