
Mit Fahnenappell und dem Absingen der Nationalhymne hat für Hunderte junge Franzosen in der südfranzösischen Stadt Orange am Dienstag der Wehrdienst begonnen. Für ihren Einstand hat sich ein hoher Gast eingefunden: der französische Präsident. Emmanuel Macron hat auch die Verteidigungsministerin und den Bildungsminister mitgebracht. Zum Austausch mit den Wehrdienstleistenden kommt es beim gemeinsamen Mittagessen in der Truppenküche. Insgesamt 3000 freiwillige Wehrdienstleistende beginnen noch in diesem Jahr bei der Armee.
Über das gelungene Auswahlverfahren zeigt sich Macron erfreut. Mit einem Frauenanteil von etwa 30 Prozent liegt die Frauenquote bei den Freiwilligen höher als in der Berufsarmee. Es gab mehr Bewerber als Plätze im ersten Jahr. Auch dies wertet Macron als positives Signal, dass es um die Wehrhaftigkeit der Jugend besser steht als angenommen.
Zehnmonatige Ausbildung bei der Luftwaffe oder der Marine
Frankreich hat keine Fragebögen verschickt, sondern den zehnmonatigen Wehrdienst als „einzigartige Chance, sein Potential zu entdecken“, beworben. Im Élysée-Palast hieß es, die Begrenzung auf 3000 Plätze im ersten Jahr sei der logistischen Herausforderung geschuldet. Wie in Deutschland waren in Frankreich nach Aussetzung der Wehrpflicht 1996 viele Kasernen geschlossen worden. Jetzt müsse die Infrastruktur für die jungen Wehrdienstleistenden erst wieder aufgebaut werden, heißt es in Paris. Sie werden in Kasernen untergebracht und verpflegt. Der zehnmonatige Wehrdienst umfasst einen Monat Ausbildung und neun Monate im Heer, bei der Luftwaffe oder bei der Marine. Auslandseinsätze sind ausgeschlossen.
Mit dem Ausbildungsangebot verbindet sich laut Élysée-Palast die Hoffnung, mehr junge Leute für die Armee zu gewinnen. Schon jetzt funktioniert die Wehrerfassung in Frankreich über einen obligatorischen „Verteidigungs- und Staatsbürgertag“, den alle Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren absolvieren müssen.
Sie werden hierfür von Schulunterricht oder Ausbildung freigestellt und verbringen einen Tag in militärischen Einrichtungen, um sich mit den Aufgaben der Armee vertraut zu machen, um mit einem Lasergewehr schießen zu üben, und sie werden mit einer Feldlagerration verköstigt. Bis 2030 soll die Zahl der freiwilligen Wehrdienstleistenden auf 10.000 steigen.
