Donald Trump droht damit, die geplante Renovierung des Kennedy Centers zu blockieren, wenn sein Name nicht an der Fassade angebracht werden darf. Die Trump-Getreuen im Führungsgremium hatten bereits vor dem finanziellen Kollaps gewarnt, sollte Trump seinen Willen im Streit um seine öffentliche Würdigung nicht bekommen. Am Dienstag untersagte ein Bundesrichter dem Kuratorium erneut, den Namen des Präsidenten an der Fassade anzubringen oder das Gelände nach ihm zu benennen. Wenige Stunden später beschloss die Leitung, das Hauptgebäude zu schließen und mit der geplanten Renovierung zu beginnen.
Doch Trump, dessen Hilfe beim Spendensammeln explizit mit der Zukunft des Hauses verknüpft worden war, meldete sich bei „Truth Social“ zu Wort. Die Renovierung werde nicht starten, ehe die Gerichte die Nennung seines Namens nicht erlaubten, schimpfte er. Das Kennedy Center befinde sich „praktisch in einem Zustand des Zusammenbruchs“, schrieb der Präsident. Er erinnerte daran, dass nach einem Unwetter kürzlich ein großes Stück Deckenputz von der Decke im Foyer gefallen war. Dabei, so Trump, hätten Menschen getötet werden können, ein vorbeigehender Wachmann sei „60 Sekunden vom sicheren Tod entfernt“ gewesen. Letzteres war bislang nicht dokumentiert worden.
Trump: „Nur ich kann das Kennedy Center retten“
Die juristischen Verzögerungen hätten das Kennedy Center dazu gezwungen, geöffnet zu bleiben, behauptete der Präsident. Doch es gebe keine Aufführungen mehr und niemand habe „überhaupt den Mut, hineinzugehen“. Das Kuratorium habe sich dafür ausgesprochen, das Haus zu retten. Er selbst sei der Einzige, der dies könne, weil er sowohl Geld beschaffen als auch bauen könne, so Trump. Hinzu komme „die Stärke und Macht des Präsidentenamtes“, die benötigt werde, um die Arbeiten durchzusetzen. Nur so habe das Haus wieder „eine Chance auf Großartigkeit“.
Die Probleme des Kennedy Centers hätten lange vor seiner Amtsübernahme begonnen, so Trump. Das Haus habe Hunderte Millionen Dollar verloren und sei „schwer gescheitert“. Durch die Verzögerungen, für die der „feindselige Richter“ verantwortlich sei, sei das Gebäude „dem Untergang geweiht“ schimpfte Trump und setzte hinzu: „Die Zeit ist unser Feind!“ Damit bekräftigte der Präsident die Argumentation, die seine Verbündeten im Kuratorium bereits vorgebracht hatten: Das Kennedy Center befinde sich in einer existenziellen Krise, nur Trump könne das Ruder noch herumreißen – doch dafür müsse seine Leistung öffentlich gewürdigt werden.

Trump scheitert erneut vor Gericht
Genau dieser Verbindung zwischen Rettung und Würdigung setzte Bundesrichter Christopher Cooper am Dienstag erneut eine Grenze. Er entschied, dass auch die jüngsten Pläne dazu gegen seine bereits im Mai erlassene Verfügung verstießen. Das Kuratorium hatte beschlossen, am Gebäude den Zusatz „renoviert und restauriert von Präsident Donald J. Trump“ anzubringen und das Gelände „Präsident-Donald-J.-Trump-Platz“ zu nennen.
Auch diese Variante sei unzulässig, urteilte Cooper. Das Kennedy Center sei vom Kongress als Denkmal für John F. Kennedy geschaffen worden. Seit 1983 verbiete das Gesetz zusätzliche Denkmäler oder Gedenktafeln in den öffentlichen Bereichen. „Einfach gesagt: Die Beklagten dürfen ohne Zustimmung des Kongresses am Kennedy Center keine Denkmäler für Präsident Trump oder irgendjemanden oder irgendetwas anderes errichten“, schrieb Richter Cooper.
Die demokratische Kongressabgeordnete Joyce Beatty aus Ohio, die dem Kuratorium angehört und gegen die Namenspläne geklagt hatte, begrüßte die Entscheidung. Trump halte das Kennedy Center „als Geisel“, solange er seinen Namen dort nicht verewigen könne, sagte sie. Auch das Justizministerium hatte in einem der Gerichtsverfahren argumentiert, die öffentliche Würdigung Trumps am Gebäude sei für die finanzielle Zukunft des Hauses entscheidend. Richter Cooper schrieb, dafür gebe es keine ausreichenden Belege.
Finanzkrise spitzte sich zu
Nur wenige Stunden später beschloss das Kuratorium die Schließung des Hauptgebäudes. Eine zweijährige Sanierung war ohnehin vorgesehen. Zuletzt verband die Leitung sie allerdings mit Warnungen vor einer akuten Finanz- und Sicherheitskrise. Dokumente, über die zuerst die „Washington Post“ berichtete, sprechen von einem „sicheren finanziellen Kollaps“. Innerhalb weniger Wochen könnten die Mittel fehlen, um Gehälter, Rechnungen und Wartungsarbeiten zu bezahlen. Zugleich sei der Zustand des Gebäudes ein Sicherheitsrisiko.
Die Renovierung soll unter anderem Heizungs- und Kühlsysteme, Sanitärtechnik, Aufzüge und Brandschutz umfassen. Auch Fassade und Säle sollen saniert werden. Der Kongress hatte dafür bereits im vergangenen Jahr rund 257 Millionen Dollar bereitgestellt. Diese Mittel sind allerdings für Baumaßnahmen bestimmt und können nicht ohne Weiteres laufende Verluste und ausbleibende Spenden ausgleichen.
Die Finanzkrise ist auch eine Folge von Trumps Eingriffen. Seit der Präsident nach seinem Amtsantritt das Kuratorium umgebaut hatte und sich zum Vorsitzenden wählen ließ, sagten zahlreiche Künstler und Produktionen Auftritte ab, darunter die Macher des Musicals „Hamilton“. Gleichzeitig gingen Spenden und Ticketverkäufe zurück. Für das laufende Geschäftsjahr wurden zuletzt Einnahmen von 124 Millionen Dollar prognostiziert; ursprünglich waren 220 Millionen veranschlagt. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang beim National Symphony Orchestra. Dessen Ticket-Auslastung sank von 72 Prozent im Jahr 2024 auf 58 Prozent im Folgejahr. Zuletzt waren nur noch 41 Prozent der Karten verkauft worden.
Die Schließung des Kennedy Centers hat auch Folgen für die Stadt Washington. Das 1971 eröffnete Kulturzentrum war über Jahrzehnte ein Wirtschaftsfaktor für die Viertel Foggy Bottom und West End. Restaurants und Hotels lebten auch von Konzert-, Opern- und Theaterbesuchern; einige Betriebe berichten bereits von deutlichen Umsatzrückgängen. Ganz zum Erliegen kommen soll der Betrieb nach bisherigen Plänen nicht. Im Erweiterungsbau „The Reach“ sollen weiterhin Kulturveranstaltungen stattfinden, das National Symphony Orchestra soll auf andere Spielstätten ausweichen.
Juristisch ist die Auseinandersetzung um das Kennedy Center unterdessen nicht beendet. Gegen das Grundsatzurteil zur Umbenennung aus dem Frühjahr läuft ein Verfahren vor dem Bundesberufungsgericht für das District of Columbia. Daneben gibt es eine weitere Klage von Denkmalschutz- und Architekturorganisationen gegen Teile der geplanten Renovierung.
