
Helga Schmid hat als Diplomatin in ihrem Leben viel erreicht. Doch vor gut einem Jahr machte sie ausgerechnet mit einer Sache Schlagzeilen, die sie – unverschuldet – nicht erreicht hatte: Obwohl ihr das zugesagt worden war, wurde nicht sie die Präsidentin der UN-Generalversammlung. Stattdessen griff Annalena Baerbock kurz vor ihrem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt zu. Für Schmid gab es damals schon viel Zuspruch und anerkennende Worte.
Jetzt ist auch bekannt, was sie stattdessen als Nächstes erreicht hat: Schmid rückt zusammen mit dem früheren NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg als Ko-Vorsitzende an die Spitze der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Einstimmig hat der Stiftungsrat das am Dienstag entschieden. „Rechtzeitig“ vor der nächsten Konferenz im Februar 2027 sollen sie die Aufgaben des langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Ischinger übernehmen, hießt es.
Von Joschka Fischer wurde sie als „Tüpfelhyäne“ bezeichnet
Für die 1960 in Dachau geborene Schmid ist das die Krönung ihrer langen Karriere. Nach ihrem Studium unter anderem der romanischen Sprachen, Geschichte und Politik in München, Paris und schließlich an der Diplomatischen Akademie in Bonn stieg sie rasant auf – und war als Diplomatin auch immer wieder die erste Frau auf ihrer Position. Etwa als sie 2003 Büroleiterin des Grünen-Außenministers Joschka Fischer wurde. Dass dieser sie als „Tüpfelhyäne“ bezeichnete, verstand sie viel später in einem Interview durchaus positiv zu bewerten. Die Tüpfelhyänen seien geschickte Jäger, sagte sie 2016, die als flexibel, hartnäckig und elegant gelten würden.
Schmid jedenfalls stieg geschickt und hartnäckig immer weiter auf, als Diplomatin machte sie in Brüssel weiter Karriere, erreichte einen Höhepunkt als Chefunterhändlerin für das Iran-Atomabkommen und wurde Generalsekretärin im Europäischen Auswärtigen Dienst, danach bei der OSZE – und schließlich wurde sie nominiert als Präsidentin der UN-Generalversammlung. Als das nicht gelang, wurde schon auf ihre herausgehobene Stellung bei der MSC verwiesen, dort war sie seit 2020 Vizepräsidentin des Stiftungsrates.
Jetzt soll Schmid zusammen mit Stoltenberg die so wichtige sicherheitspolitische Konferenz in die Zukunft führen. Nachdem Christoph Heusgen abgesetzt worden war, Stoltenberg aber als angedachter Nachfolger erst mal in Norwegen Finanzminister wurde – und es noch immer ist –, führte Ischinger die MSC zuletzt wieder. „Helga und Jens werden der langen Erfolgsgeschichte der MSC viele weitere Kapitel hinzufügen“, sagte er jetzt. Nach fast 20 Jahren an der Spitze der MSC freue er sich darauf, „sie weiterhin als aktives Mitglied ihres Stiftungsrates zu unterstützen“.
