
Die Ausläufer von Russlands Krieg gegen die Ukraine erreichen seit einiger Zeit immer öfter das Territorium von Mitgliedstaaten der NATO. Der Abschuss einer Drohne über Litauen in der Nacht auf Dienstag ist der jüngste in einer langen Serie beunruhigender Vorfälle, wie sie auch Estland, Lettland, Polen und Rumänien schon erlebt haben.
Bisher ging die Gefahr meist von Drohnen aus, die von ihrem eigentlichen Weg abgekommen waren. Im Baltikum sind mehrmals ukrainische Drohnen niedergegangen, die Ziele im Norden Russlands angreifen sollten.
Russland geht ein immer höheres Risiko ein
Aber zugleich ist zu beobachten, dass Russland bei seinen Luftangriffen auf die Ukraine eine wachsende Bereitschaft zeigt, Schäden im NATO-Gebiet anzurichten. Es ist erst drei Monate her, da wurden in Rumänien zwei Personen beim Einschlag einer russischen Drohne in einem Wohnhaus verletzt. Ende Juli ging ein russischer Marschflugkörper im Osten Polens nieder – es ist unklar, ob das ein Fehlschuss oder eine gezielte Provokation war.
In einem Punkt indes kann man sich ganz sicher sein: Das russische Militär beobachtet sehr genau, welche Fähigkeiten und welche Lücken die Luftabwehr der NATO-Staaten zeigt. Und der Kreml hat ein Auge auf die politischen Reaktionen. Besonnenheit ist oberstes Gebot. Zugleich ist aber sehr zu hoffen, dass die NATO schon Vorbereitungen für eine entschlossene Reaktion getroffen hat, falls sich ein solcher Vorfall als gezielte Provokation Moskaus erweisen sollte.
