
Es ist leider unergiebig, das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler in der aktuellen PISA-Studie zum Anlass zu nehmen, nach Ergebnissen aus Hessen zu forschen. Die PISA-Studie lässt sich nicht regionalisieren. Niemand weiß, wie die hessischen Schüler abgeschnitten haben, denn PISA ist eine internationale Vergleichsstudie mit einer geringen nationalen Stichprobe. Ziel der Studie ist es, die Bildungssysteme auf internationaler Ebene zu vergleichen.
In Deutschland wurden für PISA 2025 rund 6700 Jugendliche an etwa 250 Schulen aller weiterführenden Schularten getestet. Wollte man die Bundesländer ins Verhältnis setzen, wäre methodisch eine viel größere Untersuchung nötig. Das ist unerfreulich für ein föderalistisch organisiertes Land. Denn die Bundesländer stehen gerade in der Bildungspolitik in einem Wettbewerb um die besten Unterrichtsideen und Lehrmethoden.
Was sich allerdings auch für Hessen ableiten lässt, sind die Schlussfolgerungen, die aus dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler gezogen werden. Ein Aspekt, der in den Diskussionen immer wieder auftaucht, ist der Zeitpunkt, zu dem die Schulen eingreifen und Schüler mit sprachlichen und mathematischen Defiziten besonders fördern sollten. Bildungsforscher sind sich einig, dass dies so früh wie möglich geschehen sollte. Für Jugendliche, die keinen Text erfassen können, kommt die Hilfe schon zu spät. Hier gilt die Volksweisheit: Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr.
Intensivklassen und Vorlaufkurse
Hessen hat das erkannt. In seinem Bildungschancenpaket hat die Landesregierung gerade beschlossen, den Deutschunterricht noch weiter auszubauen. Erstklässler werden nun eine siebte Deutschstunde im Stundenplan haben. Damit sich leistungsstarke Kinder, die ohnehin schon gut mitkommen, im Unterricht nicht langweilen, müssen die Grundschullehrer die Binnendifferenzierung der Klasse gleich mitdenken.
Eine Ursache, die bei der Diskussion über die PISA-Ergebnisse erstaunlich selten genannt wird, ist die Einwanderung. Die Autoren meinen, die Migration sei nicht die eigentliche Ursache für das schlechte Abschneiden deutscher Schulen, sondern verstärke tieferliegende, strukturelle Probleme des deutschen Bildungssystems. In Deutschland hängt der Schulerfolg stark vom Elternhaus und vom sozialen Status der Familien ab. Allerdings gibt es einen Zusammenhang: Zugewanderte Kinder sind besonders häufig von Armut gefährdet.
Auch hier hat Hessen schnell dazugelernt. Schon seit Jahren lernen zugewanderte Kinder, die neu in Deutschland sind, zunächst in Intensivklassen die deutsche Sprache, bevor sie am Regelunterricht teilnehmen. Und die verbindlichen Vorlaufkurse vor der Einschulung für Kita-Kinder mit sprachlichem Förderbedarf haben sich ebenfalls bewährt.
Hessen will auch den Leistungsstand der Schüler regelmäßiger messen, um bei Bedarf eingreifen und gegensteuern zu können. Auch diese Erkenntnis ist richtig, kommt aber leider viel zu spät. Das Land darf in der Bildungspolitik nicht nachlassen und sollte auch den Lehrermangel endlich wirksam bekämpfen. Dann bleibt zu hoffen, dass diese Bemühungen endlich Früchte tragen.
