Ein neuer europäischer Satellit soll aus dem Weltall Daten zur Gesundheit der Vegetation auf der ganzen Welt sammeln. Der Flugkörper FLEX wird zusammen mit einem zweiten europäischen Satelliten, Sentinel-3C, in der Nacht zum 15. September in die Umlaufbahn gebracht, wie die Europäische Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt mitgeteilt hat. Die Flugkörper werden nach ihren Angaben die Erde in einer Höhe von 815 Kilometern umrunden. Beide bewegen sich nach den Plänen der Raumfahrer im Abstand von einigen Sekunden auf derselben Bahn.
Die Raumfahrtagentur überwacht in ihrem Kontrollzentrum in Darmstadt den Raketenstart auf dem europäischen Raumfahrtbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana. FLEX gehört zu den Satelliten der ESA, die der Forschung dienen. Sentinel-3C gehört zum Copernicus-Programm der Europäischen Union zur Erdbeobachtung.

FLEX misst die Fluoreszenz der Vegetation, also das Licht, das die Pflanzen wieder abstrahlen, wenn sie von Sonnenlicht beschienen werden, wie der Projektleiter der ESA, Ralf Bock, erläuterte. Nach seinen Worten gibt das abgestrahlte Licht einen Hinweis darauf, wie gut die Photosynthese in den Blättern funktioniert. Ist diese gestört, kann die Pflanze die Energie des Sonnenlichts nicht vollständig aufnehmen, deshalb wird sie in Form von Licht wieder abgegeben.
Anzeichen dafür, ob Pflanzen unter Luftverschmutzung leiden
Deshalb ist die Fluoreszenz ein Maß dafür, wie gesund die Pflanze ist, wie Bock sagte. Wird sie durch Luftverschmutzung oder Hitze geschädigt, laufe die Photosynthese nicht mehr in vollem Umfang ab. Anhand der Daten soll auch untersucht werden, wie die Photosynthese den Kohlenstoff- und Wasserkreislauf beeinflusst, wie der ESA-Fachmann sagte.
Der Satellit kreist in einer Umlaufbahn über Nord- und Südpol, das bedeutet, der Erdball dreht sich unter der Flugbahn. So erfasst FLEX bei jeder Runde einen anderen Streifen der Erdoberfläche in einer Breite von 150 Kilometern. Werden die Aufnahmen zusammengesetzt, ergibt sich ein Bild der gesamten Erde. Der Satellit umkreist die Erde 14 Mal am Tag. Die gesammelten Daten will die ESA unentgeltlich veröffentlichen, sodass auch andere Wissenschaftseinrichtungen sie nutzen können.
Die Lebensdauer von FLEX ist auf dreieinhalb Jahre ausgelegt, wie Bock sagte. So könnten drei Vegetationsperioden von je einem Jahr auf der ganzen Welt erfasst werden. Möglicherweise könne der Satellit auch noch länger benutzt werden. Der Projektleiter bezifferte die Kosten für FLEX auf 350 Millionen Euro. Gut die Hälfte davon, 180 Millionen Euro, entfielen auf Entwicklung und Bau des Satelliten selbst, der Rest auf die Ausgaben für den Start sowie die Betriebskosten des Flugkörpers und der Bodenstation.
Der zweite neue Satellit, Sentinel-3C, gehört zu einer Gruppe von elf Sentinel-Satelliten, die im Verbund Daten zum Klimawandel sammeln. Erfasst werden damit Hitzewellen, Waldbrände und die Algenblüte in den Meeren. Der neue Flugkörper ist mit optischen Instrumenten und Mikrowellenstrahlern ausgerüstet, wie Benedikt Guldimann, Nutzlastmanager der ESA, sagte. Damit wird nach seinen Worten die Temperatur von Land und Meeren gemessen. Die Höhe der Erdoberfläche und die Dicke von Eisplatten auf den Ozeanen werden ebenfalls erfasst.
