Stolz, aufrecht und stets zu Diensten: Die berühmte Restaurantchef-Katze von Diego Giacometti zählt zu den beliebtesten Bronzen des Schweizer Künstlers. Elegant hält sie, auf zwei Beinen stehend, in den Vorderpfoten eine Schale. Die erste, 1961 entstandene Fassung der knapp 30 Zentimeter hohen Figur trug noch ein Tablett in den Pfoten, auf dem Besucher ihre Visitenkarten ablegen konnten. Die zweite Version der „Chat maître d’hôtel“ stattete Giacometti 1964 mit der kleinen Schale aus, in der Körner Platz finden sollten. Er hatte sie für seine Gestaltung des Taubenschlags der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence vorgesehen – und inszenierte die Vogelfeindin als Futterspenderin.
Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfelds
Bei den Jahresauktionen der Galerie Kornfeld, die am 10. und 11. September in Bern stattfinden, kommen gleich zwei dieser ironischen Katzenskulpturen zum Aufruf, beides Abgüsse der zweiten Variante und jeweils mit einer Taxe von 200.000 Franken versehen. Die erste Figur stammt aus einer Schweizer Privatsammlung, die zweite aus dem Besitz Eberhard W. Kornfelds, des langjährigen und 2023 verstorbenen Patrons des Auktionshauses. Er hatte sie 1967 direkt vom Künstler erworben.

Auch im dritten Auktionsjahr in Folge, in dem der Nachlass Kornfelds veräußert wird, besticht der Beitrag aus seiner Sammlung immer noch mit hochkarätigen Stücken und einer Vielzahl von Losen. So beinhalten zwei der fünf aktuellen Versteigerungskataloge des Hauses („Freundschaften – Amitiés“ und „Illustrierte Bücher und Portfolios“) einzig Nachlassstücke Eberhard W. Kornfelds und zeugen von dessen enger Verbundenheit mit vielen Kunstschaffenden. In der Auktion „150 ausgewählte Werke“ kommen einige weitere Werke von EWK – wie der Mäzen in den Katalogen abgekürzt wird – zum Aufruf, darunter Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Die Windmühle“. Es entstand 1910 und ging 1918 in den Besitz von Kirchners Arzt, Dr. Ludwig Binswanger, über, bevor es von Kornfeld erworben wurde (Taxe 1,5 Millionen Franken).
Neben Giacomettis Katze findet sich eine weitere bemerkenswerte Doppelung in der Offerte. Von Edvard Munchs berühmter Farblithographie „Madonna“ kommen zwei Versionen unter den Hammer – ein marktfrischer Druck ohne den ornamentalen Rahmen mit Embryo am linken Rand (600.000) sowie ein Blatt mit der rahmenden Bordüre aus spermienartigen Formen nebst Embryofigur (700.000). Auch das Spitzenlos der diesjährigen Offerte bei Kornfeld ist eine Druckgrafik, genauer gesagt das Set der wichtigsten 103 Linolschnitte von Pablo Picasso, die die Galerie Louise Leiris in Paris zwischen 1958 und 1963 in einer Auflage von 50 Exemplaren herausbrachte. Ursprünglich umfasste es 104 Linolschnitte. Laut Kornfelds Expertise gibt es die Serie aber nur in der angebotenen Form von 103 einheitlich mit „45/50“ nummerierten Blättern. Das vorliegende Set kommt aus einer französischen Privatsammlung erstmals auf den Kunstmarkt (fünf Millionen).

Ein eigener Katalog versammelt 30 Druckgrafiken, vor allem Selbstporträts, von Käthe Kollwitz. Die Blätter stammen aus der renommierten Sammlung des Ehepaars Gudrun und Martin Fritsch, die 1986 auch das Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin gründeten und dort als Direktor und Kuratorin tätig waren. Eines der Highlights ist das farbige „Selbstbildnis am Fenster“, das Kollwitz um 1900 von sich selbst im Profil mit Tusche und Aquarell anfertigte (600.000).
Elfmal über eine Million
Insgesamt elf Lose sind mit einem Schätzpreis von über einer Million Franken ausgezeichnet. Das Holzobjekt „Bilboquet“ schenkte Marcel Duchamp 1910 seinem deutschen Künstlerfreund Max Bergmann; es ist ein beliebtes französisches Geschicklichkeitsspiel, das von Duchamp mit einer persönlichen Widmung versehen wurde. Dank dieser Verbindung eines Alltagsgegenstands mit einer persönlichen Notiz wird es heute als „Pre-Readymade“ bezeichnet und soll eine Million erlösen. 1924, ein Jahr nach der Hyperinflation in Deutschland und fünf Jahre vor der Weltwirtschaftskrise, erfand Duchamp in Nizza den „Monte Carlo Bond“, ein Wertpapier, mit dessen Hilfe er ein von ihm entwickeltes Roulettesystem finanzieren wollte. Die Gestaltung des Anleihenscheins ist von Wertpapieren inspiriert; in der Mitte prangt ein Porträtfoto Duchamps. Man Ray hat den Kollegen mit einer aus Rasierschaum modellierten Frisur, die an die Kopfbedeckung des in der römischen Antike für den Handel zuständigen Gottes Merkur erinnert, abgelichtet. Zum angebotenen „Monte Carlo Bond“ gehören zwei Originalfotografien Man Rays mit Motivvariationen (1,25 Millionen).
Von Alberto Giacometti kommen 83 Lose zum Aufruf – zumeist Zeichnungen –, preislich angeführt von der 1954/55 gefertigten und 29 Zentimeter hohen Bronze „Buste de Diego“, die der Künstler von seinem jüngeren Bruder schuf. Sie ist auf 2,25 Millionen Franken geschätzt (Exemplar von sechs). Einst in der Sammlung von Marc Chagalls Tochter befand sich Eduardo Chillidas Eisenobjekt „Ikaraundi“ (Großes Zittern) aus dem Jahr 1957. Ida Chagall und ihr Mann Franz Meyer, der Direktor des Kunstmuseums Basel, hatten die für Chillidas Aufbruch in eine neue Werkphase stehende Skulptur 1961 erworben (drei Millionen). Kornfelds Gesamterwartung für die Jahresauktionen mit 1900 Losen bewegt sich zwischen 60 bis 70 Millionen Franken.
