
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht am Sonntag eine Partei zur Wahl, die nicht offiziell auf dem Wahlzettel zu finden ist, aber, wenn die Meinungsumfragen richtig liegen, die absolute Mehrheit erreichen wird. Das ist die Kreml- oder Putin-Partei, deren inoffizielle Anhänger sich auf die AfD, das BSW und die Linke verteilen.
Deren Kandidaten verfolgen nämlich, vor allem was den Ukrainekrieg angeht, ein Programm, das in Moskau formuliert worden sein könnte. Sie reden von Frieden, unterscheiden bei dem Vernichtungskrieg nicht zwischen Täter und Opfer beziehungsweise drehen, wie zuletzt der AfD-Ko-Chef Tino Chrupalla mit der Aggressivität eines Kreml-Sprechers, die Verhältnisse um und schlagen sich auf die Seite des russischen Angreifers.
Womit die Täter-Opfer-Umkehr wieder einmal vollständig wäre
Dass der unser Land längst ebenfalls attackiert, mit allen Mitteln der sogenannten hybriden Kriegsführung, ignorieren sie geflissentlich, verraten solchermaßen das Vaterland und vollziehen jede Bewegung der russischen Propaganda nach.
Wie die funktioniert, hat Artur Weigandt in einem Artikel bei ntv mit Blick auf den Drohnenangriff auf dem Flughafen Leipzig und dessen Darstellung in russischen Medien gerade noch einmal sehr anschaulich dargelegt: Erst wird bestritten, dass es Beweise für Russlands Urheberschaft gebe, dann folgt die „Beweisumkehr“, in diesem Fall die Behauptung, es handele sich um eine „False Flag“-Aktion. Dann kommt die Frage, wem das wohl diene. Der kriegslüsternen Bundesregierung natürlich, die weiter Waffen an die Ukraine liefern wolle und Russland bedrohe. Wer steckt also dahinter? Nicht Russland greift Deutschland an, sondern vice versa. Womit die Täter-Opfer-Umkehr wieder einmal vollständig wäre. Das plappert Tino Chrupalla genauso nach wie Sahra Wagenknecht.
Die „Berliner Zeitung“ liefert derweil täglich Nachschub an Kreml- und AfD-Narrativen, das neueste besteht darin, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Briefwahl zu säen. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung und deren Institutionen zu diskreditieren und das auch noch – wie die extreme Rechte und Linke – als Freiheitskampf auszugeben, darauf versteht sich die Zeitung des „Verlegers“ Holger Friedrich prächtig.
Seriöse deutschsprachige Medien werden unterdessen im Netz von der russischen sogenannten Operation Matrjoschka gefälscht und mit Propaganda vollgepackt. Am Ende soll, wie schon Donald Trumps einstiger Berater Steve Bannon sagte, die Informationslandschaft mit Mist geflutet sein, damit man den Unterschied zwischen richtig und falsch und Wahrheit und Lüge nicht mehr erkennen kann. Da kommt die AfD bei der Wahl am Sonntag doch leicht über 40 Prozent und liegt – den Umfragen nach – auch bundesweit mit großem Abstand vor der Union. Wladimir Putin kann das nur recht sein.
