
Obwohl am Main keine Ozeandampfer gebaut wurden, trug ein Gebäude in Rüsselsheim den Spitznamen „Titanic“. Den bekam die 1937 errichtete und ein Jahr später in Betrieb genommene Opel Schmiede in Rüsselsheim ihrer Ausmaße wegen verpasst. Mit 260 Meter Länge war sie fast so lang wie das legendäre Schiff. Im Gegensatz zu diesem ist sie allerdings nicht verschwunden, sondern präsentiert sich imposant wie eh und je dem Besucher. Allerdings wird in dem denkmalgeschützten Industriebau seit dem Jahr 2021 nicht mehr produziert. Wo in der einst modernsten Gesenkschmiede der Welt im Laufe der Jahrzehnte unter großem Getöse Millionen von Kurbelwellen für Automobile gefertigt wurden, sind die Dampfhämmer abgebaut.
Nach den Plänen der Stadt Rüsselsheim soll aus der historischen Halle ein Veranstaltungs- und Kulturort werden. Erste Schritte dorthin werden nun unternommen. Die Schmiede, heute exemplarisch für den tiefgreifenden Wandel der lange industriell geprägten Rhein-Main-Region, steht bei gleich zwei Projekten der Kulturregion FrankfurtRheinMain im Fokus. Sie ist einer von zehn Filmorten der digitalen Ausstellung „FrankfurtRheinMain auf dem Weg in die Moderne“ und einer der besonderen Schauplätze bei den diesjährigen „Tagen der Industriekultur Rhein-Main“, die vom 5. bis 13. September 2026 unter dem Motto „Auf dem Weg in die Moderne“ wieder mit Werksführungen, Workshops und Ausstellungen sowie Touren per Bahn, Schiff oder Rad die Möglichkeit bieten, hinter die Kulissen von Unternehmen und Institutionen zu schauen.
Wie prägte die Moderne die Rhein-Main-Region – und was können wir aus ihr für die Zukunft lernen? Dem Motto der World Design Capital 2026 „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ folgend, präsentiert das Medienausstellungsprojekt der Kulturregion besondere Orte, Ideen und Menschen, die den Aufbruch in eine neue Zeit gestaltet haben. Dazu zählen etwa die Hanauer Stadtplanung der Zwanzigerjahre, die Entwicklung der Luftfahrt in Zeppelinheim, die Schriftgießerei Klingspor in Offenbach, die Bedeutung von Farbe bei den Deutschen Amphibolin-Werken in Ober-Ramstadt sowie der Wandel eines Industriestandorts am Beispiel der Opel Schmiede in Rüsselsheim.
In den eigens für das Projekt produzierten Filmen kommen Zeitzeugen, Bewohner, Mitarbeiter sowie ehrenamtlich Engagierte an den jeweiligen Orten der Industriekultur zu Wort. Die Filmbeiträge sind von September 2026 an zu den Tagen der Industriekultur als digitale Ausstellung auf der Website der Kulturregion unter www.krfrm.de/AusstellungModerne zu sehen. Wie die Kulturregion mitteilt, soll das Projekt dauerhaft online und per QR-Code im öffentlichen Raum erlebbar sein und möglicherweise in den nächsten Jahren noch weiterwachsen.
