
Es ist erstaunlich, wie viele in den Vierzigerjahren geborene Schauspielerinnen der deutsche Film und das deutsche Theater hervorgebracht haben, sämtlich lange und in den unterschiedlichsten Lebensphasen aktiv: Karin Baal, Cornelia Froboess, Hannelore Elsner, Hanna Schygulla, Elke Sommer und Angela Winkler. Unbedingt gehört in diese Riege, die jahrzehntelang präsent war und es teilweise noch ist, Cordula Trantow.
Ihre lieblich-schöne, mit den ausdrucksstarken Augen ein wenig exotische, jedenfalls nicht typisch deutsche, später ins angenehm Herbe gehende Erscheinung fiel schon in dem ersten wichtigen Film auf, in dem sie mitspielte und für den sie das Filmband in Gold als beste Nachwuchsschauspielerin bekam: Bernhard Wickis „Brücke“ von 1959, eigentlich ein reiner Jungsfilm, dem sie in der Rolle der Franziska aber noch eine andere Kontur verlieh.
Aus dem, wie man damals sagte: Backfischalter heraus, wirkte sie danach und neben damaligen Stars wie Martin Held, Hans Söhnker und Hardy Krüger in einigen der wenigen Produktionen mit, die man als anspruchsvoll bezeichnen kann, auch in internationalen wie dem Kriegsfilm „Jenseits des Rheins“ und der Biographie „Hitler“, in der sie als Nichte des Titelhelden eine Hauptrolle spielte.
Ihren Hang zu gewissen Problemfilmen und -rollen lebte sie auch in den Siebzigern aus, etwa in der legendären, das bundesdeutsche Bewusstsein für Behinderten-Politik überhaupt erst weckenden Fernsehreihe „Unser Walter“ oder in Rainer Erlers beklemmendem Ökofilm „Die Halde“. Die für ihre Generation fast schon obligatorischen Gastauftritte in den einschlägigen Fernsehkrimireihen kamen dazu.
Cordula Trantow, die mit dem Theaterregisseur Rudolf Noelte verheiratet war, in dessen Kafka-Verfilmung „Das Schloss“ (1968) sie imponierte, führte auch Theaterregie und war vor allem eine einprägsame Synchronsprecherin. Ihre bezaubernde Stimme kam bei emanzipierten Figuren, wie sie von Ali MacGraw (“Love Story“, „Getaway“) oder Geneviève Bujold (“Der Wolf hetzt die Meute“) verkörpert wurden, besonders zur Geltung. Dieses feminine Timbre kriegt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Nun ist Cordula Trantow im Alter von 83 Jahren gestorben.
