Mitten in der Stadt liegt ein Ort, an dem man im Schatten alter Bäume sitzen und der Realität entfliehen kann. Unser Autor Frank Drieschner schwärmt von der Verkehrsinsel im Klosterstern.
© Paul Dittmann für DIE ZEIT
Was für ein Ort! Es ist, als hätte sich der liebe Gott des Straßenverkehrs bedient, um wie mit einer Lochsäge einen Kreis von 70 Meter Durchmesser aus der Hamburger Wirklichkeit zu schneiden. Eben noch stand man zwischen denkmalgeschützten Prachtbauten am Rand des Klostersterns, jenes riesigen Kreisverkehrs in Harvestehude. Aber dann: Ab auf die Verkehrsinsel! Eine Lücke im Fahrzeugstrom abpassen, ein paar schnelle Schritte – schon ist man da.
Wobei der Begriff der »Verkehrsinsel« vielleicht falsche Assoziationen weckt. Eher ist das, was hier vom Kreisverkehr umschlossen wird, ein rundes Wäldchen aus alten Linden, Eichen und Kastanien. Am Boden führt ein Trampelpfad quer durch einen strukturlosen und dezent verwahrlosten Bewuchs aus Halmen, Wildblumen, Brennnesseln und Baumschösslingen.
