Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 35/2026.
Nett hier. Genau richtig, um zwei, drei Tage zu bleiben. Eine Fähre hat mich auf die Insel gebracht. Drei Jahre nach dem Tod meiner Frau will ich meinen 72. Geburtstag damit verbringen, über mein Leben nachzudenken. Die belebte Einsamkeit der Nordseeinsel Norderney erscheint mir am besten dazu geeignet. Ich bin meiner selbst unsicher geworden, fahrig, schusselig.
Es ist, als wäre ich ein anderer, neben dem ich stehe und den ich reden höre. Lache ich über einen Scherz, verhallt mein Lachen in einem großen leeren Raum. Mein Ich ist keine fest umrissene Gestalt mehr. Es verschwimmt. Fast ist es eine Dissoziation: Ein Teil meiner selbst ist mit ihr gegangen, ein anderer Teil lebt das alltägliche Leben weiter, in dem immer etwas zu tun ist. Eine Frage bewegt mich: Wer bin ich ohne sie?
